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94  Friedrich  der  Streitbare.

Feinde  überantwortet  hatte,  anzuerkennen,  und  achketen  einen
Kdnig  durch  sich  selbst  enthront,  der  ein  Versprechen  gebrochen.
  Die  gütlichen  Verhandlungen,  welche  er,  durch  sein
schlimmes  Bewußtsein  entmuthigt,  mit  den  Böhmen  angefangen,
  zerschlugen  sich,  und  er  mußte  sein  Reich  nunmehr
durch  Gewalt  der  Waffen  zu  erhalten  suchen.  In  jener  gefährlichen
  Periode  wußte  er  die  Unterstützung,  welche  ihm
von  Seiten  der  deutschen  Fürsten  angedieh,  doppelt  zu  ehren.
  Unter  ihnen  war  Friedrich  der  Streitbare  einer  der
mächtigsten  und  kühnsten.  Kaiser  Sigmund  hatte  ihm  zwar
1417  auf  dem  Concilium  zu  Costnitz  die  Belehnung  mit
Meißen  bewilligt,  da  aber  Friedrich  noch  ausserdem  mit  den
von  ihm  eroberten  Ortschaften  in  Böhmen  belehnt  sein  wollte,
und  Siegmund  dies  verweigerte,  ließ  sich  Friedrich  zornig
vernehmen:  er  werde  vom  Kaiser  diese  Belehnung  gar  bald
in  offener  Fehde  zu  erlangen  wissen.  Wirklich  geschah  dies
nunmehr  (1420)  in  dem  Feldlager  vor  Prag,  wohin  Friedrich
  nebst  seinem  Bruder  Wilhelm,  dem  Kaiser  mit  bedeutender
  Waffenunterstützung  gefolgt  war.  Ohnerachtet  dieser
vereinigten  Kräfte  leistete  Prag  den  heftigsten  Widerstand.
Der  furchtbare  Hussitenführer,  Zista,  deckte  durch  eine  außerhalb
  der  Stadt  aufgeworfene  Schanze  die  Belagerten  und
beunruhigte  die  Belagerer,  daher  diese  endlich  den  Entschluß
faßten,  die  Hoͤhe,  auf  welcher  Ziska  seine  Stellung  eingenommen,
  anzugreifen.  Der  Angriff  war  so  hitzig,  daß  die
Hussiten  schon  in's  Gedränge  geriethen  und  Siska  selbst  in
Lebensgefahr  kam.  Aber  noch  zu  rechter  Zeit  unternahmen
die  Belagerten  einen  Ausfall  und  eilten  aus  der  Stadt  dem
bedrängten  Ziska  zu  Hilfe.  Dies  entschied  zum  Nachtheil
der  Kdniglichen,  welche  mit  großem  Verluste  die  Hoͤhe  hinabgeworfen
  wurden.  Friedrich  der  Streitbare  muß  damals
entweder  durch  besondere  Tapferkeit  oder  andere  Umstände
den  Haß  der  Böhmen  gegen  sich,  oder  deren  Furcht  rege  gemacht
  haben;  denn,  wie  man  meldet,  erbot  sich  ein  böhmischer
  Edelmann  dem  Kaiser,  ihm  Prag  und  die  Hussiten
schnell  gehorsam  zu  machen,  wenn  er  die  Markgrafen  von
Meißen  ihm  zu  freier  Willkühr  ausliefern  wollte,  worauf