96  Friebrich  der  Streitbare.

nen  Reichstag  nach  Närnberg  aus,  auf  welchem  nicht  nur
ein  allgemeiner  Zug  gegen  die  Hussiten  beschlossen,  sondern
auch  bestimmt  wurde,  wie  viel  jeder  Stand  an  Leuten  oder
Gelde  zu  dem  gemachten  Ueberschlage  beizutragen  habe;
welche  Veranschlagung  man  für  die  alteste  Reichsmatrikel
hält.  Die  Meißner  Markgrafen  wurden  darin  nicht  mit  erwähnt,
  weil  diese  gleich  anfangs  gelobt  hatten,  dem  Kaiser
unbedingten  Dienstbeistand  zu  leisten.  Für  ihren  bisherigen
Beistand  liquidirten  sie  auf  diesem  Reichstage  dem  Kaiser
00,000  Gulden,  für  welche  Forderung  ihnen  derselbe  Stolberg,
  Schoͤneck,  Myla,  Battendorf,  Sparenberg,  Mühlberg,
  Ossek  und  Leneschitz  unterpfändlich  einsetzte;  dagegen
sich  die  Fürsten  verpftichteten,  ihm  im  ganzen  Verlaufe  des
Krieges  getreulich  beizustehen  und  sich  nimmer  von  ihm  zu
trennen.  Durch  das  unbeerbte  Absterben  des  Churfürsten
Albrechts  III.  aus  dem  ascanischen  (anhaltschen)  Hause  war
das  Herzogthum  Sachsen,  sammt  der  damit  verbundenen
Chur  erledigt  worden,  und  Friedrich  der  Streitbare,  dem
schon  früher  vom  Kaiser  die  Anwartschaft  auf  beides  ertheilt
  worden  war,  ward  allen  Mitbewerbern  vorgezogen

1121  und  am  14.  Mai  1424  auf  einem  Collegialtage  zu
Bingen  feierlichst  in  das  Churfürstliche  Collegium  aufgenom-113

  men.  Schon  ein  Jahr  früher  hatte  der  Kaiser  ihm  und  selnen
  Nachkommen  das  Jus  de  non  erocando  ertheilt,  kraft
dessen  kein  sächsischer  Unterthan  vor  einen  auswärtigen  weltlichen
  oder  geistlichen  Gerichtöhof  gezogen  werden  konnte,
und  durch  welches  später  Churfürst  Friedrich  der  Weise  seinen
  Luther  vertrakt.

Die  hufsitischen  Unruhen  dauerten  inzwischen  forr.  Die
Lässigkeit  der  übrigen  Fürsten  bewog  den  Kaiser,  sich  noch
inniger  an  Friedrich  den  Streitbaren  anzuschließen,  der  ihm
schon  so  viele  Proben  seiner  Tapferkeit,  Anhänglichkeit  und

1125  Ausdauer  gegeben  hatte.  Er  verband  sich  nebstdem  1425
noch  mit  dem  Herzog  Albrecht  von  Oesterreich.  Doch  war
der  Fortgang  ihrer  Wassen  nicht  eben  vom  Glücke  gekrönt,
besonders  erlitten  die  Sachsen  bei  Brix  einen  hoͤchst  empfindlichen
  Verlust,  die  Maßregeln  welche  die  deutschen  Für-