Friebrich  der  Streitbare.  97

sten  gegen  die  von  Boͤhmen  her  immer  mehr  ihnen  Allen
erwachsenden  Gefahr  zu  nehmen  gedachten,  ließen  immer
eine  zu  große  Menge  weitschweifiger  Verhandlungen  und
Berathungen  vorangehen,  als  daß  nicht  der  schnelle  Feind,
noch  ehe  solche  ins  Leben  traten,  schon  ersprießliche  Vortheile
und  Fortschritte  erringen  konnte,  so  daß  Friedrich,  nach  dem
Unfalle  bei  Brix,  sich  nicht  enthalten  konnte,  in  lebhafte
Klagen  gegen  die  versammelten  Fuͤrsten  auszubrechen.  Das
Jahr  1426  steigerte  diese  Unfaͤlle  auf  das  hoͤchste;  denn  die  1126
biöher  oft  in  innere  Zwistigkeiten  sich  zerspaltenden  hussitisch
gesinnten  Boͤhmen  lernten  nunmehr  besser  zusammen  halten,
zogen  im  Mai  aus,  jagten  den  meißnischen  Truppen  einen
Platz  nach  dem  andern  wieder  ab  und  verwuͤsteten  Alles  mit
fanatischer  Grausamkeit.  Nachdem  auf  solche  Weise  in
kurzer  Zeit  eine  ziemliche  Anzahl  Boͤhmischer  Orte  gefallen
war,  sollte  die  Reihe  an  die  Stadt  Außig  kommen,  in  welcher
  churfuͤrstliche  Besatzung  lag,  die  jedoch  ziemlich  schwach
war  und  nicht  Hoffnung  hatte,  die  Belagerung  der  Hussi—
ten  lange  auszuhasten.  Friedrich  selbst  war  abwesend;  daher
  bot  seine  Gemahlin  Katharina  angstvoll  die  Landschaft
auf  und  ermahnte  die  Hauptleute,  männlichen  Widerstand
zu  leisten.  Die  meißnischen  Truppen  rückten  dem  Feind
entgegen  und  griffen  ihn,  sobald  sie  das  böhmische  Gebir#-im
  Räcken  hatten,  an.  Aber  die  Hussiten  hatten  sich  außer
einer  guten  Stelkung,  auch  noch  durch  gewaltige  Wagenburgen
  und  Verhaue  so  gut  gedeckt,  daß  den  Meißnern  der
Angriff  theuer  zu  stehen  kam,  und  sie  7—  9000,  ja  nach
Anderen  gegen  12,000  Erschlagene  auf  dem  Platze  ließen,
unter  ihnen  viele  Grafen,  Freiherrn  und  Ritter.  Friedrich's
des  Streilbaren  Feinde  eilten  diesen  Unfall  als  eine  Strafe
Gottes  auszulegen,  die  ihn  schwer,  aber  verdient  treffe,
weil  er,  durch  Kaiser  Siegmunds  Unterstützung,  seinen  rechtmaͤßigen
  Mitbewerber  um  das  Herzogthum  und  die  Chur  Sachsen
  gebracht  habe.  Die  Hauptschuld  aber  an  dem  Mißgeschicke
  dieses  Tages  will  man  einem  der  meißnischen  Hauptleute
  Busso  von  Vitzthum  beimessen,  der  mit  seinem  Hausen
  zuerst  die  Lofung  zur  Flucht  gad,  und  zwar  aus  boͤser
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III.  Heft.