98  Friedrich  der  Streitbare.

Absicht,  denn  er  soll  dabei  gesagt  haben:  „jetzt  hab'  ich
meinen  Bruder  geraͤcht!“  und  dieser  sein  Bruder  in  fruͤhe—
rer  Zeit  wegen  grober  Geldunterschlaͤge  enthauptet  worden
seyn.  Nach  der  Niederlage  des  Meißnischen  Heeres  fiel  Außig
  ohne  großen  Widerstand  in  die  Haͤnde  der  Hussiten,
welche  die  Stadt  zerstoͤrten  und  die  Einwohner  nebst  der  vorgefundenen
  Besatzung  niedermachten.  Die  Chur  —  eine  Be—
lohnung  der  von  Friedrich  dem  Kaiser  Siegmund,  namentlich
  gegen  die  Hussiten  geleisteten  Dienste  —  war  furchtbar
schwer  bezahlt  und  sattsam  mit  Blut  und  Jammer  aufge—
wogen,  wie  denn  überhaupt  in  dergleichen  Faͤllen,  wo  es
ihren  Rang  zu  mehren  gilt,  Fuͤrsten  gar  oft  theuer  zu  kau—
fen  pflegen.
Durchdonnert  von  dem  fuͤrchterlichen  Tage  von  Brix,
dem  blutigen  Kinde  ihrer  Saumseligkeit,  versammelten  sich
1427  im  folgenden  Jahre  die  Churfuͤrsten  und  Reichsstaͤnde  zu
Frankfurt,  um  sich  wegen  eines  nachdrücklichen  Verfahrens
gegen  die  Hussiten  zu  berathen.  Demzufolge  sollte  einer  der
drei  geistlichen  Churfürsten  den  Oberfeldherrn  abgeben,  jeder
Churfürst  sollte  200  Schützen  stellen  und  der  Anzug  von
vier  Seiten  stattfinden.  Im  Juni  rückte  man  in's  Feldz
Friedrich  der  Streitbare  ließ,  als  Anführer  einer  Heeresabtoeilung,
  nicht  auf  sich  warten.  Die  Deutschen  hielten  sich
jedoch  so  schlecht,  daß  sie  auf  die  bloße  Nachricht  von  dem
Anrücken  der  durch  mehrfaches  Begegnen  ihnen  furchtbar
gewordenen  Böhmen,  sich  nach  allen  Seiten  zerstreuten.  Mit
dem  Unmuthe  eines  von  Feigen  verlassenen  Helden  blickte
ihnen  Friedrich  nach,  er  allein  konnte  dem  herangewachsenen
Feinde  nicht  dauernden  Trotz  bieten,  daher  mußte  er  unfreiwillig,
  ebenfalls  den  Heimweg  antreten.  Spaßhaft  ist  es,
daß,  nach  so  vielen  schlechten  Erfolgen,  die  päbstlichen  Legaten
  dennoch  nicht  müde  wurden,  an  den  deutschen  Fürsten
wegen  eines  neuen  Kreuzzuges  gegen  die  Hussiten  herumzupredigen,
  und  diese  wiederum  nicht  müde  waren,  sich  von
neuem  in  kriegerische  Berathungen  für  einen  abermaligen
Zug  gegen  die  Böhmen  einzulassen,  nachdem  sie  Letzteren  in
wiederholten  Zügen  nicht  eben  Achtung  für  die  deutschen