100  Friedrich  des  Streitbaren  Söhne.

erkannt  und  theilte  den  Wahn  seiner  Zeit,  was  zwar  nicht
gegen  ihn  spricht,  jedoch  auch  keinen  ausgezeichneten  Geist  in
ihm  abnen  läßt.  Friedrich  der  Streitbare  gehörte  dem  gewöhnlichen
  Fürstenschlage  an.  Mit  viel  Ehrgeiz,  und  einigem
Muthe  und  Unternchmungsgeiste  ausgestattet,  mußte  er  doch
das  allmächtige  Glück  erst  zu  Hilfe  rufen.  Um  ihn  zu  erhoͤ—
hen,  bedurfte  es  der  bedrängten  Lage  des  Kaisers,  und  der
Schläfrigkeir  der  übrigen  Fürsten,  um  Jenen  Hllfesuchend
in  seine  Arme  zu  werfen  und  ihm  durch  denselben  den  Churhut
  in  die  Stirn  zu  drücken.  Die  Zeit  hat  für  Friedrich
den  Streitbaren  gestritten,  aber  er  wahrhaftig  nicht  für  sie.  —
Nach  seinem  Tode  nahm  sein  ältester  Sohn,  Friedrich  II.
genannt  der  Sanftmüthige,  das  Herzogthum  Sachsen  und  die
Chur  in  Besitz;  dagegen  regierte  er  in  Meißen  und  den
übrigen  Ländern  gemeinschaftlich  mit  seinen  Brüdern  bis
1136  zum  Jahre  1436,  nachdem  sein  zweiter  Bruder  Heinrich  ein
Jahr  früher  mit  Tode  abgegangen  war.  Hierauf  schloß  er
mit  seinen  beiden  übriggebliebenen  Brüdern  einen  Vertrag
auf  neun  Jahre.  Da  aber  bald  darauf  Siegmund  den
geistlichen  Stand  erwählte,  so  ward  nunmehr  zwischen  Friedrich
  und  Wilhelm  eine  Theilung  beschlossen,  die  jedoch  erst
11i10  1440,  nach  Landgraf  Friedrich's  von  Thürsngen,  ihres  Vetters,
unbeerbtem  Absterben  in's  Leben  trat.  Siegmund,  den  nicht
heilige  Begeisterung,  sondern  eine  heftige  Leidenschaft  für  eine
schöne  Nonne  aus  adelichem  Geschlecht  in  das  Kloster  trieb,
ward,  da  man  hinter  sein  Liebesverhältnit  kam,  von  seinen
eigenen  Brüdern  —  ob  aus  wirklichem  Zeloteneifer,  oder  um
ihm  den  Rücktritt  in's  Weltliche  und  zum  Throne  noch  unmöglicher
  zu  machen,  bleibt  unentschieden  —  nach  Freiburg
1113  in  Verwahrung  gebracht.  Später  (1443)  erhielt  er  das
Bisthum  Wuürzburg,  ward  desselben  aber  nach  drei  Jahren,
seines  unordentlichen  Lebens  wegen,  wieder  entsetzt.  Hierauf
meinte  er  seine  geistliche  Rolle  ausgespielt  zu  haben  und
—  Nachdem  er  sich  geistlich  ausgetollt  —  in's  Weltleben
zurücktreten  zu  dürfen,  verlangte  daher  sein  Länder-Erbtheil
zurück,  und  da  man  dem  Esgeistlichen  hierin  nicht  so  schnell
willfahrte,  zettelte  er  Anschläge  gegen  seine  Brüder  an,  da-