104  Bruderkrieg  zwischen  Friedrich  und  Wilhelm.

fuͤrsten  abtreten,  dagegen  aber  Freiburg  von  ihm  empfangen
sollte.  Allein  auch  dieser  Vertrag  konnte  das  Mißvergnuͤgen
nicht  daͤmpfen  und  die  Feindseligkeiten  nicht  zuruͤckhalten,  zumal
  Vitzthum  seinem  Herrn  stets  mit  giftiger  Zunge  in  den
Ohren  lag.  Friedrich  verlangte  die  Entfernung  Vitzthums,
der,  wie  er  wohl  wußte,  fortwaͤhrend  das  Feuer  schuͤrte,  und
als  Wilhelm  dies  unterließ,  unternahm  Friedrich  einen  Streifzug
  gegen  das  dem  Vitzthum  gehdrige  Roßla.  Dagegen
überließ  Wilhelm  dem  Vitzthum  für  dessen  Güter,  Noßla,
Sulza,  Reinstädt  und  42,000  Guͤlden,  das  ganze  Frankenland.
  Beide  Brüder  übten  sich  nunmehr  in  allerhand  feindseligen
  Einfällen  und  verheerenden  Streifzügen  in  das  brüderliche
  Gebiet.  Der  jähzornige  Wilhelm  unterhielt  diese
Neckereien  mit  großer  Grausamkeit;  besonders  mußte  dies
die  Stadt  Gera  empfinden,  deren  Besitzer  sich  auf  die  Seite
Friedrichs  geschlagen  hatte.  Die  Stadt  wurde  mit  Sturm
genommen,  und  Wilhelm  ließ  mehr  als  5000  Einwohner,
die  sich  in  eine  Kirche  geflüchtet  hatten,  erbarmungölos  niedermetzeln.
  Eine  der  fluchwürdigsten,  überteuflischen  Thaten,
welche  die  Geschichte  aufzuweisen  hat  und  die  Wilhelm's
Andenken  unrettbar  an  den  Schandpfahl  aller  Zeiten  heftet!
Die  Werkzeuge  dieser  unmenschlichen  Handlung  waren  Böhmen
  —  ein  Menschenschlag,  der  die  Gefühllosigkeit  bis  zum
Stumpfsinn  zu  treiben  verstand  und,  vermoge  thierischer
Grausamkeit,  vielleicht  nicht  so  unbedingt  in  die  Gesellschaft
der  Menschen  zu  rechnen  war.  Der  unnatürliche  Bruderkrieg
  hatte  veranlaßt,  daß  viele  Mächtige  Thüringens  sich
von  Wilhelm  abwandten;  er  mußte  also  —  wie  die  Spanier
  in  Amerika  —  in  Ermangelung  der  Menschen,  Hunde
gegen  den  Feind,  ndmlich  gegen  den  Bruder  hetzen,  und  bezog
  diese  Beihülfe  aus  Böhmen.  Demohngeachtet  wies  der
menschliche  Friedrich,  als  er  an  der  Elster  seinem  Bruder  gegenäber
  zu  stehen  kam  und  ein  Scharfschütze  sich  ihm  erbot,
den  bösen  Bruder  durch  einen  guten  Schuß  für  immer  friedfertig
  zu  machen,  diesen  Antrag  mit  Abscheu  von  sich:  „schieß'
wen  Du  willst,  nur  meinen  Bruder  nicht!“  Diese  brüderliche
  Regung  mitten  unter  den  blutigen  Wahrzeichen  des