Bruderkrieg  zwischen  Friedrich  und  Wilhelm.  105

Hasses  soll  Wilhelm  zu  Ohren  gekommen  seyn  und  den  Blutbefleckten
  tief  ergriffen  haben.  Er  schlug,  obgleich  anfangs
zögernd,  in  die  Hand  ein,  welche  Friedrich  ihm  längst  schon
zur  Suͤhne  geboten  hatte.  Der  Kaiser,  zürnend  öber  den
unnatürlichen  Bruderkrieg  und  empbrt  über  die  schreiende
Blutthat  gegen  Gera,  bestand  ernstlich  auf  Frieden  und  drohte
im  Unterlassungsfalle  mit  der  Acht.  Wilhelm  aber  lernte
einsehen,  daß  diejenigen,  welche  ihm  so  hartnäckig  zu  dem,
Recht,  Natur  und  Gefäöhl  verläugnenden  Kampfe  gerathen,
es  nicht  aus  Liebe  zu  ihm,  sondern  aus  Haß  gegen  seinen
Bruder,  oder  aus  selbstsöchtigen  Beweggründen  gethan  hatten;
  die  lange  unterdrückte  Stimme  der  Natur  brach  sich
endlich  Bahn,  und  so  geschah  es,  daß,  nach  einer  fünffährigen
  Fehde,  sich  die  Brüder  am  27.  Jan.  1451.  völlig  aussöbhnten.
  Trümmer,  Blut  und  Brandspuren  dienten  dem  Altar
  dieser  Versdhnung  zur  Unterlage,  und  verhallende  Flüche
verheerter  Länder,  elend  gemachter  Unterthanen  mischten  sich
in  den  Jubel  dieser  Handlung  der  Liebe!  Apel  von  Vitzthum,
welcher  seine  finstere  Rolle  in  Wilhelm's  Herzen  auögespielt
hatte,  verließ  das  Land,  und  als  der  gegen  ihn  nunmehr
erbitterte  Wilhelm  ihm,  gegen  Rückgabe  seiner  Güter,  die
Mflege  Koburg  wieder  abferderte  und,  da  er  sich  der  Räckgabe
  weigerte,  sich  derselben  mit  Gewalt  bemächtigte,  entwich
  Vitzthum  nach  Böhmen  und  setzte  vielfache  feindliche
Machinationen  gegen  Wilhelm  in  Bewegung,  die  jedoch  zu
nichts  führten  und  seine  Nache  ungekühlt  ließen.

Dieser  verwüstende  Bruderkrieg  zog  ein  zwar  nicht  historisch
  folgereiches,  aber  einzig  in  der  Geschichte  dastehendes
Ereigniß  nach  sich.  An  Friedrich'S  des  Sanftmüthigen  Hofe
lebte  ein  kühner,  kriegsgeubter  sächssscher  Ritter,  Kunz  oder
Conrad  von  Kaufungen,  der  dem  Churfürsten  sowohl  im
Hussitenkriege,  wie  auch  in  der  Fehde  gegen  seinen  Bruder
Wilhelm,  die  thätigsten  Dienste  geleistet  und  dadurch  sich
bis  zu  dem  Ehrenposten  eines  Hofmarschalls  aufgeschwungen
hatte.  In  dem  Bruderkriege,  welchem  er  nachdrücklich  für
seinen  Herrn  beiwohnte,  hatte  er  seine  Besitzungen  in  Thüringen
  verloren  und  war  dafür  einstweilen  durch  einige  Vitz-1451

