Der  saͤchsische  Prinzenraub.  107

ten  für  seinen  Durst  suchen  zu  lassen.  Dieser  fand  dabei
Gelegenheit,  sich  mit  hastigen  Worten  einem  im  Walde  beschäftigten
  Köhler  zu  entdecken,  der  durch  Zusammenschlagen
der  Schürbaume  sogleich  eine  Anzahl  Köhler  herbeirief,  über
Kaufungen  herfiel,  der  sich  eben  mit  den  Sporen  im  Gestrüppe
  verwickelt  hatte  und  daher  wenig  Widerstand  thun
konnte,  und  ihn  gefangen  nahm.  Er  überlieferte  ihn,  wie
auch  seinen  Knecht  Schweinitz,  dem  Abt  von  Grünhain,  der
die  Gefangenen  nach  Zwickau  abführen  ließ.  Den  befreiten
Prinzen  aber  brachte  man  noch  am  namlichen  Tage  in  Triumph
  nach  Altenburg  zurück.  Unterdessen  hatte  die  Sturmglocke
  schon  das  ganze  Land  in  Bewegung  gebracht,  daher
die  Entführer  des  altern  Prinzen,  Mosen  und  Schönfels,  sich
nicht  weiter  getrauten,  sondern  in  der  Gegend  von  Stein
sich,  nebst  dem  Geraubten,  in  einer  Hôhle  —  seitdem  die
Prinzenhöhle  genannt  —  verbargen.  Mit  Schrecken  vernahmen
  sie  aus  dem  Munde  vorübergehender  Holzfäller
Kaufungen's  Unfall,  und  gedachten  —  gegen  zugestandene
Verzethung  —  den  Prinzen  auszuliefern,  sonst  aber  sich  und
ihn  umzubringen.  Der  Oberamtshauptmann  zu  Zwickau,
Friedrich  von  Schönburg,  welchem  sie  ihren  Entschluß  brieflich
  meldeten,  gestand  ihnen  Freiheit  und  Leben  zu,  sie  lieferten
  zu  Hartenstein  den  Prinzen  aus  und  verließen  das
Land.  Das  Unwetter,  welches  der  kühnen  That  folgte,  entlud
  sich  nun  über  Kunz  von  Kaufungen,  welcher  —  nachdem
  das  Geschwornengericht  der  Vier  und  Zwanzig  ihm  das
Leben  abgesprochen  —  am  14.  Juli  zu  Freiberg  enkhauptet
ward.  Ein  grausamerer  Tod  traf  seinen  Knecht  Schweinitz
und  den  zum  Prinzenraube  behilflichen  Küchenjungen  Schwalbe.
Beide  wurden  geviertheilt.  Der  rettende  Köhler  aber,  welcher
  Schmidt  hieß,  bat,  als  er  sich  vom  Churfürsten  eine
Gnade  ausbitten  sollte,  um  nichts,  als  um  freies  Holz
zum  Kohlenbrennen,  erhielt  für  sich  und  seine  Familie  ein
Freigut  bei  Zwickau  und  jährlich  vier  Scheffel  Korn,  und
weil  er,  wie  er  sich  in  seiner  naiven  Sprache  ausgedrückt,
den  Ritter  Kunz  tüchtig  getrillt,  ließ  man  ihn  und  seine
Nachkommen  fortan  den  Namen  Triller  annehmen.  Der