Herzog  Wilhelm.  109

sehr  beliebten,  auch  von  dem  Könige  von  Ungarn  unterstätzten
  Podiebrad  weiter  zu  verfolgen,  sondern  erkannte  ihn
selbst  als  Wohlkdnig  an  und  war  froh,  durch  diese  seine
Bereitwilligkeit  denselben  zu  einigen  ihm  vortheilhaften  Begünstigungen
  zu  veranlassen,  die  besonders  darin  bestanden,
daß  63  Städte  und  Schldsser  in  Meißen,  auf  welche  bisher
  Böhmen  Ansprüche  gemacht  hatte  und  die  es  mit  Gewalt
  der  Waffen  zu  behaupten  Miene  machte,  dem  Herzog
Albrecht  in  Lehen  gegeben  wurden,  wozu  die  nähere  Bestimmung
  1459  in  einem  besondern  Vertrage  zu  Eger  geschah.
  Dieses  Bündniß  ward  durch  eine  erneuerte  Erbeinigung
  zwischen  Böähmen  und  Meißen  und  durch  Verabredung
  einer  Doppelheirath  von  beiden  Seiten  noch  mehr  befestigt.


Im  Jahre  1461  unternahm  Herzog  Wilhelm,  der  Sitte
jener  Zeit  angemessen,  eine  Wallfahrt  nach  Palaͤstina,  wohin
  ihm  eine  Menge  Grafen  und  Ritter  folgten.  Vielleicht
wollte  er  dort  die  Frevel  des  Bruderkrieges  absuͤhnen,  oder
das  seiner  edlen  Gattin  Anna  zugefuͤgte  Unrecht  buͤßen.
Denn  Wilhelm  trat,  was  sein  Benehmen  als  Eheherr  anbelangte,
  so  ziemlich  in  die  Fußtapfen  Albrecht's  des  Unartigen.
  Tollblinde  Leidenschaft  führte  ihn  von  der  Seite  der
würdigen,  treuen  Gattin  in  die  Arme  eines  verbuhlten  Weibes,
  Katharinens  von  Brandenstein.  Er  behandelte  seine
Gattin  mit  gefühlloser  Härte  und  verwies  sie  endlich  nach
Eckardöberg;  sie  ertrug  ihre  Leiden  mit  bewundernswürdiger
  Treue  und  Hingebung,  blieb  selbst  in  ihrem,  durch  den
Gemahl  ihr  bereireten  Elend  seine  standhafte  Vertheidigerin,
bis  1462  der  Tod  ihrem  gramvollen  Leben  ein  Ende  machte.
Statt  Reue  und  Abneigung  gegen  die  Morderin  seines
Weibes  zu  empfinden,  eilte  Wilhelm  sich  seine  Concubine
antrauen  zu  lassen,  und  obschon  ihm  einige  Male  gar  dreist
und  mit  ziemlich  schlagenden  Beweisen  versichert  wurde,  daß
seine  neue  Frau  Gemahlin  im  Punkte  der  Treue  gegen  ihn
Har  nicht  die  Probe  halte,  so  erfüllte  ihn  dennoch  eine  dumme
  Gläubigkeit  zu  ihr  und  ließ  keinen  dauernden  Zweifel
in  ihm  aufkemmen.  Uebrigens  war  Wilhelm's  weiteres  Le-1-9



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