110  Herzog  Wilhelm.

ben  nur  noch  von  kleinern,  bedeutungslosen  Ereignissen  bezeichnet.
  Sein  verstoßener  Rath,  Apel  von  Vitzthum,  machte
ihm  noch  manchen  Aerger.  Sonst  aber  wurde  Wilhelm  oft
genug  um  nichts  bedeutender  Kleinigkeiten  willen,  die  ihn
verdrossen  und  seine  empfindliche  Laune  aufregten,  in  langwierige
  Haͤndel  verwickelt;  wie  er  denn  z.  B.  mit  dem  Gra—
fen  Ernst  von  Gleichen  sich  acht  Jahre  lang  heftig  herumschlug,
  wozu  die  Hasenhetz  eines  Buͤrgers  zu  Erfurt  die  Veranlassung
  gab  und  dann  in  Feindseligkeiten  mit  einem  andern
Grafen  von  Gleichen  kam,  weil  dieser  Wilhelm's  zweiter
Frau,  die,  als  eine  eingedrungene,  bastardmaͤßige  Gattin,  von
den  meißnischen  Edlen,  ja  von  Wilhelm's  naͤchster  Umgebung
haͤufige  Beweise  geringschaͤtzender  Unehrerbietigkeit  einstecken
mußte,  nicht  das  Praͤdicat:  gnaͤdige  Frau,  zugestehen  wollte.
Nach  einem  mehr  abentheuerlichen,  als  eigentlich  stuͤrmischen
  Leben  —  denn  selbst  Wilhelm's  Hauptunternehmungen
  drehten  sich  immer  um  kleinliche  Motioe  und  waren  nur
muthwillig  aufgerührte  Unruhen,  welche  schnell  wieder  zu
beschwren,  fast  immer  in  seiner  Macht  stand  —  starb
1182  Wilhelm  im  September  1482,  in  seinem  57.  Jahre,  zu
Weimar.  Da  er  keinen  männlichen  Erben  hinterließ,  so
hatte  er  noch  bei  Lebzeiten  seine  Länder  an  seine  beiden
Nesson,  Ernst  und  Albert,  übergeben.  Er  war  ein  Mensch,
in  welchem  sich  Gutes  und  Böses  ohne  eigentliche  Farbe
mischte.  Gutmüthig  aus  Laune  und  böse  aus  Leidenschaftlichkeit,
  kommt  ihm  unmittelbar  weder  Lob  noch  Vorwurf  zu.
Tyrannisirt  von  seinem  Eigensinne,  tyrannisirte  er  selbst  eizentlich
  nur  durch  die  zweite  Hand.  Hartnäckig  in  der  Ausführung
  eines  Entschlusses,  aber  wankelmüthig  und  veraͤnderlich
  im  Entschlusse  selbst,  bedurfte  er  nur  einer  klugen  und
preiswürdigen  Leitung,  um  der  Tugend  eben  so  beharrlich
zu  fröhnen,  als  seiner  Leidenschaft.  Man  hätte  müssen  ihm
das  Gute  zur  Laune  machen,  so  würde  er  dem  Guten  treu
gedient  haben,  denn  er  war  nur  seiner  Laune,  seine  Laune
aber  keinem  Gegenstande  treu.  Hätte  nicht  ein  ränkevoller
Apel  von  Vitzthum,  spater  eine  gemein  citle  Katharina  von
Brandenstein  ihm  alloermögend  zur  Seite  gestanden,  so