Friedrich  der  Sanftmuͤthige.  111

wuͤrde  Wilhelm  zwar  kein  Held,  wohl  aber  ein  nutzbares
Automat  der  Tugend  geworden  seyn.  —

Stiller  aber  ausgiebiger  war  Friedrich's  des  Sanftmuthigen
  Wirken.  Er  war,  obschon  große  Regenteneigenschaften
  ihm  vollig  abgingen  und  er  an  muthigem  Sinne  seinem
Bruder  nachstand  —  ein  guter  Hausvater  seines  Landes,
der  Friede  und  Ordnung  bestens  herzustellen  und  zu  begründen
  strebte.  Dagegen  gönnte  er  seiner  Gattin,  Margarethen
von  Oesterreich,  etwas  mehr  weltliche  Macht,  als  derselben
von  Fug  und  Recht  zukam;  ja  er  gestattete  ihr  sogar  —
ein  in  der  sächsischen  Geschichte  unerhörtes  Beispiel  —  zu
Kolditz  eigne  Münzen  zu  schlagen.  Sie  war  ein  Weib  von
vieler  Herzhaftigkeit,  vielleicht  mehr  Mann,  als  der  Churfürst
  selbst,  der  ihrem  Muthe  buldigte,  den  er  zum  Theil  in
sich  vermißte,  und  der  ihr  nebst  dem  Reichs=  auch  das  häusliche
  Scepter  abgetreten  zu  haben  scheint.  Von  wahrer  Entschlossenheit
  zeugt  das  Aufgebot,  welches  Margarethe,  in  ihres
  Gatten  Abwesenheit,  wegen  schleunigen  Beistandes  an
die  Stadt  Wittenberg  ergehen  ließ.  Ihr  Mann,  der  etwas
scharf  im  Respecte  gegen  sie  gestanden  haben  dürfte,  wles
ihr  ein  reiches  Witthum  an,  welches  sie,  nach  dessen  Tode,
unter  landesherrlichen  Rechten  mit  vieler  Virtuosität,  die  sie
sich  noch  bei  Lebzeiten  ihres  Eheherrn  eigen  gemacht  hatte,
regierte.

Am  7.  September  1464,  mithin  18  Jahre  vor  Herzog
Wilhelms  Tode,  starb  Churfürst  Friedrich  der  Sanftmüthige
in  einem  Alter  von  52  Jahren  zu  Leipzig  und  hinterließ,
außer  vier  Töchtern,  die  beiden  Söhne  Ernst  und  Albert,
die  Stifter  der  beiden  sächsischen  Hauptlinien,  der  Ernestinischen
  und  der  Albertinischen.  Er  hatte  fünf  Jahre  vor  seinem
  Tode,  nämlich  im  J.  1459,  die  Verordnung  getroffen,
daß  seine  beiden  Söhne  nach  seinem  Absterben  die  an  sie
kommenden  Länder  gemeinschaftlich  regieren  sollten,  mit  Ausnahme
  des  Herzogthums  Sachsen,  welches,  wie  auch  die
Churwürde,  ausschließlich  dem  altesten  Prinzen  anheimfiel.

Friedrich  des  Sanftmüthigen  Charakter  und  Fähigkeiten
liegen  so  ziemlich  am  Tage.  Er  war  ein  Fürst  von  augen-1161



1459