114  Ernst  und  Albert.

die  Brüder  ihrer  Schwester  Hedwig,  der  Aebtissin  des  Stiftes

  Quedlinburg,  Hilfe  gegen  diese  Stadt,  welche  die  Hoheit

  des  Stiftes  über  sich,  aus  unzulänglichen  Gründen,  nicht

im  anerkennen  wollte,  jedoch  1477  durch  Ernst  eingenommen

und  zu  Anerkennung  der  Rechte  des  Stiftes  gezwungen  wurde.

  Mit  gleichem  Glöcke  zwang  er  auch  die  Städte  Halle

und  Halberstadt,  die  in  verschiedenen  Angelegenheiten  sich

widersetzlich  bezeigten.  Auch  gab  er  in  den  Händeln  zwischen

  König  Mathias  von  Ungarn  und  Casimir  von  Polen,

1479  die  sich  wegen  der  böhmischen  Krone  entsponnen  hatten,

1479  einen  kräftigen  Vermittler  ab  und  hatte  größeres  Verdienst

  an  dem  bewerkstelligten  Vergleiche,  als  der  andere
Vermittler,  Johann  von  Brandenburg.

Nachdem  Ernst's  und  Albert's  Oheim,  Herzog  Wilhelm

1182  von  Thüringen,  1482  ohne  männliche  Erben  gestorben  war,

nahmen,  dem  Willen  des  Erblassers  gemäß,  die  beiden  Fürsten

  gemeinschaftlich  Besitz  von  dessen  hinterlassenen  ungetheilten

  Landen,  wodurch  die  ganze  Macht  des  meißnischen  Hauses

  wieder  ungetrennt  beisammen  war.  Die  reiche  und

machtvolle  Stadt  Erfurt,  welche,  obgleich  durch  vielfache

Privilegien  begünstigt,  doch  von  jeher  unter  dem  Landgrafen

von  Thöringen  gestanden,  aber  einige  Male  sich  dieser  Ho—

heit  zu  entziehen  versucht  hatte,  begab  sich  nunmehr  mit

festeren  Bestimmungen,  unter  den  Schuß  der  beiden  Fürsten

und  machte  sich  zu  einem,  alljährlich  zu  Lichtmeß  abzuführenden

  Schutzgelde  von  1500  rheinischen  Gulden,  wie  auch,

jedoch  unter  einschränkenden  Bedingungen,  zur  Heeresfolge

verbindlich.

Sowohl  die  abweichenden  Charaktere  der  beiden  Brüder,
wie  auch  die  so  nahe  sich  kreuzenden  Regierungsverhältnisse,
welche  nur  bei  einer  vollkommnen  innern  Uebereinstimmung,
ohne  Reibungen  abgehen  konnten,  hatten  schon  seit  länger
Spannungen  und  Uneinigkeiten  zwischen  den  Brüdern  hervorgebracht,
  welche  durch  einflüsternde  Räthe  und  Diener
—  die,  wie  immer,  in  den  Mißverhältnissen  der  Herren  ihre
eigne  Rechnüng  fanden  —  hin  und  wieder  Nahrung  finden
mechten.  Zwar  schien  der  drohende  Unfrieden  sich  noch  vor