116  Ernst  und  Albert.

Kolditz  im  46.  Lebensjahre  und  fand  seine  Ruhestaͤtte  im
Dom-zu  Meißen,  derjenigen  Flur,  deren  Verlust  ihm  die
Freude  des  Daseyns  verbittert  hatte.  Er  war  ein  Fürst
von  ernstem,  festem  Charakter,  der  durch  Ordnungsliebe,
Maßigkeit  und  Neigung  für  das  Schdne,  sich  in  vielfacher
Hinsicht  über  seine  Zeit  erhob,  der  Rechtspflege  kräftig  vorstand
  und  dessen  Leben  nur  eine  bestimmtere  Richtung  zu
wünschen  gewesen  wäre,  um  ihn  zu  den  besten  Fürsten  zu
rechnen.  Die  Theilungshändel  mit  seinem  Bruder,  zogen
ihn  zu  sehr  von  kräftigen  Maßregeln  in  der  Regierung  seiner
  Länder  ab.  Naächst  seinen  eigenen  preiswürdigen  Eigenschaften
  gebührt  ihm  schon  als  dem  Vater  des  großen  Churfürsten,
  Friedrich's  des  Weisen,  Achtung,  da  man  annehmen
  kann,  daß  nur  eine  sorgsame  und  zweckmäßige  Erziehung
  einen  Fürsten,  wie  Friedrich,  heranbilden  konnte.
Ernst  hinterließ,  nebst  zwei  Töchtern,  vier  Söhne,  deren
altester,  Friedrich  der  Weise,  und  jungster,  Johann  der  Beständige,
  nach  einander  die  Churwürde  erhielten.  Albrecht
ward  zum  Erzbischof  von  Mainz  erwählt,  starb  aber  zwei
Jahre  darauf,  in  einem  Alter  von  20  Jahren;  Ernst  ward
Erzbischof  von  Magdeburg.