118  Friedrich  der  Weise.

erloschener  Nachglanz  vom  Scheiterhaufen  eines  Huß  und
Hieronymus  heruͤberspielte.  Beinah  scheint  Friedrich's  Geburt
  von  ahnungsvollen  Gefuͤhlen  derer,  die  ihn  in's  Leben
trugen,  begleitet  gewesen  zu  seyn;  denn  der  Brief,  in  welchem
  seine  Mutter  dem  Herzog  Wilhelm  von  Thuͤringen  dieses
  frohe  Ereigniß  meldete,  spricht,  in  seiner  einfachen  Wärme,
  dennoch  ein  prophetisches  Muttergefühl  aus:  „Mit  Begier
  und  Freuden  unsers  Gemuths,  verkünden  wir  E.  Liebden,
  daß  wir  nach  milder  Güte  und  Verleihung  GOttes  des
Allmächtigen,  auf  heute  Datum  dieses  Briefs,  mit  einem
schonen  Herrn  und  jungen  Sohn  zu  Sachsen  versehen  und
begnadigt  seind.“  Es  war  dies  geschehen  „zu  Torgau  am
1483  Montage  Antoni“  des  Jahres  1463.  Er  erhielt  eine,  der
Sitte  der  Zeit  angemessene  gute,  fürstlich  zeinfache  Erziehung,
legte  sich  mit  Liebe  auf  die  Alten,  denen  er  viel  guter  Sprüche
verdankte,  und  verstand  wohl  Latein,  obschon  er  es  nicht
gern  sprach;  gleichermaßen  hat  er,  nach  Spalatin's  Zeugniß,
auch  die  franzoͤsische  Sprache  ziemlich  verstanden,  geschrieben
und  geredet,  und  die  große  Anhänglichkeit,  welche  er,  bis  in
sein  reiferes  Alter,  für  die  Lehrer  seiner  Jugend  hatte,  zeugt
sowohl  von  seinem  dankbaren  und  bescheidenen  Gemüthe,  als
von  seiner  Liebe  für  die  Wissenschaften.  Auch  in  kdrperlichen
  Uebungen  stand  er  Keinem  nach,  und  er  soll  zu  allen
Dingen,  „in  Schimpf  (Scherz)  und  Ernst,“  so  viele  Geschicklichkeit
  besessen  haben,  „daß  nichts  gewesen  ist,  das  er  in
seine  Hände  genommen  hat,  das  nicht  Hände  und  Füße  gehabt
  hätte;“  besonders  war  er  ein  geschickter  Drechsler.
Von  Künsten  scheint  ihn  besonders  die  Musik  angezogen  zu
haben,  und  er  hielt  sich  lange  Jahre  eine  Capelle,  welche  er
auch  auf  seinen  Reisen  mit  sich  führte  und  die  ihm  bis  zu
seinem  Tode  Erheiterung  und  Lust  gewährte.  Sein  Capellmeister
  war  Conrad  von  Ruppich;  auch  soll  er  einen  besonders
  guten  Altisten  besessen  haben,  „dergleichen  Röm.  Kais.
Mes.  und  andere  Fürsten  und  Herren  weit  und  breit  nicht
gehabt.“  Große  Liebe  hegte  er  zu  Kindern,  und  wenn  er
ausritt,  sah  er  sich  gern  von  ihnen  umgeben  und  beschenkte
Tedes  derselben,  wobei  er  einmal  zu  seinem  Begleiter  die  den