130  Die  Reformation.

selbe  hinlaͤngliche  Macht  besaß,  vielleicht  nachtheilige  Einfluͤsse
  auf  die  politische  und  geistige  Freiheit  Deutschlands;
endlich  aber  besorgte  er  wohl  auch,  daß  Carl,  als  Koͤnig
von  Spanien,  durch  die  dortigen  Angelegenheiten  haͤufig  aus
Deutschland  weggerufen  werden  und  das  Reichsvicariat  da—
durch  wiederholt  dem  Churfuͤrsten  von  der  Pfalz  zufallen
moͤchte,  welcher,  wie  wir  schon  fruͤher  gesehen  haben,  dieser
Wuͤrde  wegen,  ein  heftiger  Nebenbuhler  des  Churfuͤrsten  von
Sachsen  war.  Vielleicht  wuͤnschte  er  uͤberdem  die  Wahl  des
neuen  Kaisers  etwas  in  die  Laͤnge  zu  treiben,  weil,  waͤh—
rend  der  Zwischenzeit  zu  der  neuen  Wahl,  ihm  selbst  das
Reichsvicariat  uͤber  die  Laͤnder  saͤchsischen  Nechtes  zusiel  und
er,  bei  dieser  erhdhten  Würde  und  Macht,  Luther'n  noch
besser  schützen  und  die  anbrechende  Kirchenverbesserung  noch
kräftiger  verkreten  und  fördern  zu  können  hoffte.  Swei  Konige,
  Beide  des  deutschen  Thrones  nicht  unwürdig,  buhlten
um  die  Wahlstimme  des  mächtigen  Churfürsten  von  Sachsen.
  Diese  beiden  Bewerber  waren  König  Carl  von  Spanien
  und  Franz  I.  von  Frankreich.  Noch  ein  dritter  Bewerber
  meldete  sich,  abet  dieser  mit  sehr  bescheidenen,  resignirenden
  Ansprüchen,  Heinrich  VIII.  von  England,  ein
starker  theologischer  Rabulist,  auf  welchen  jedoch  in  Angelegenheiten
  des  Reichs  diesmal  gar  keine  Räcksicht  genommen
  wurde.  Je  bescheidener  und  candidatenmäßiger  sich
Heinrich  um  die  deutsche  Krone  bewarb,  desto  feuriger  strebten
  Carl  und  Franz  diesem  verlockenden  Kleinode  nach.  Beide
schlugen,  da  an  der  Wahlstimme  des  Churfürsten  von  Sachsen
  ihnen  ganz  besonders  viel  gelegen  seyn  mußte,  anfangs
den  gewöhnlichsten  Weg  ein,  nämlich  den  der  Bestechung.
Doch  scheiterte  dieser  Versuch  an  Friedrich's  festen  Gesinnungen,
  er  wollte  nicht  nach  seinem  Vortheile,  sondern  nach
seinem  Glauben  wählen,  und  da  beide  Bewerber,  selbst
Carl  durch  seine  Stellung,  so  gut  als  Ausländer  waren,  so
konnte  er  Beiden  kein  Herz  für  die  deutsche  Nation  zutrauen,
welche  sie  regieren  wollten.  Durch  die  Verzdgerung  seiner
Stimmgabe  ward  die  ganze  Handlung  sehr  in's  Stocken
gebracht,  und  die  Wahl  schwankte  so  sehr,  daß  man  schon