Die  Reformation.  131

Mißhelligkeiten  und  Irrungen  fürchten  konnte.  Da  fiel  zuletzt
  die  einstimmige  Wahl  auf  Churfürst  Friedrich  selbst,
welcher  durch  seinen  Charakter  und  durch  die  Gewissenhaftigkeit,
  womit  er  nun  schon  dreimal  das  Reichsvicariat  geführt,
  sich  dieses  Vertrauens  vollkommen  würdig  gemacht
hatte.  Aber  Friedrich  kannte  theils  die  schwierige  Lage  eines
Kaisers  von  Deutschland,  in  einer  Zeit,  wo  das  kaum  zu
Grabe  gelragene  Faustrecht  die  Widerspenstigkeit  der  Städte
und  Vasallen  noch  immer  nicht  hinlänglich  unterdrückt  hatte,
theils  sah  sein  ahnender  Geist  vielleicht  schon  die  Gewitter
heranziehen,  welche  sich  auch  über  dem  deutschen  Throne  entleeren
  sollten.  Auch  urtheilte  er  zu  bescheiden  von  sich  selbst,
als  daß  er  sich  die  Kraft,  besonders  aber  die  auêdauernde,
unbeugsame  Strenge  zugetraut  hätte,  welche,  unter  den  obwaltenden
  Umständen,  einem  deutschen  Kaiser  unentbehrlich
war.  Friedrich  wies  daher,  ein  fast  unerhdrter  Fall!  die
ihm  freiwillig  angetragene  Kaiserkrone,  an  deren  Besitz  von
jeher  so  Ungeheueres  gesetzt  worden  war,  von  sich  und  gab
seine  Stimme  für  Carl  von  Spanien,  der,  obgleich  nur  der
Geburt  nach  Deutscher,  dadurch  doch  ein  größeres  Recht  habe,
als  Franz  von  Frankreich,  und  überdies  Macht  genug  besitze,
um  das  deutsche  Reich  kräftig  gegen  Feinde  zu  schuͤtzen.
Doch  trug  er  zugleich  darauf  an,  daß,  vor  der  Erwählung,
er  sich  gewissen  Bedingungen  fügen  mußte,  durch  welche
man  die  Freiheit  des  deutschen  Reiches  am  besten  gegen  die
in  ihm  geahnete  Herrschgier  und  Anlage  zu  Despotismus,  zu
schützen  gedachte.  Diese  Erklärung  Friedrich's  erwarb  Carl'n
nunmehr  alle  Stimmen  der  früher  so  sehr  im  Schwanken
begriffenen  Churfürsten,  und  er  ward  am  W.  Juni  1519
wirklich  zum  deutschen  Kaiser  erwählt.  Sein  Ehrgeiz,  welcher
  brünsilg  nach  dieser  Krone  geschmachtet  hatte,  erkannte
darin  allerdings  eine  große  Geföälligkeit  Friedrich's  und  ließ
ihm  —  die  leichteste  Weise,  um  sich  von  Gefählen  der  Erkenntlichkeit
  loszukaufen  —  zum  Dank  eine  große  Summe
Geldes  anbieten,  welche  jedoch  Friedrich  mit  Selbstgefähl
verschmähte.  Doch  muß  Carl  das  bloße  Anerbieten  seines
Geldes  für  die  That  selbst  angesehen  haben,  denn  die  spatere
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1519