Die  Reformation.  133

saͤtze  in  einer  kleinen  Schrift  vertheidigt  worden,  und  Professor
  Johann  Eck  aus  Ingolstadt,  beruͤhmt  als  theologischer
Raufer,  kam  mit  13  Saͤtzen  gegen  diese  Schrift  nach  Leipzig
  und  erbot  sich  daruͤber  zu  disputiren.  Dieses  Erbieten
nahm  der  Herzog  Georg  von  Sachsen-Meißen  gierig  aut.
Er  hoffte  durch  einen  solchen  berühmten  gelehrten  Streit,
seiner  Universität  Leipzig,  welche  seit  dem  schnellen  Aufblühen
  der  Schwesteranstalt  zu  Wittenberg,  etwas  in  den  Hintergrund
  getreten  war,  zu  neuem  Rufe  und  Glanze  zu  verhelfen.
  Zudem  war  er  ein  Mann  von  festen  Gesinnungen,
welcher  dasjenige,  was  sich  ihm  einmal  als  Ueberzeugung
aufgedrungen  hatte,  mit  unerschütterlicher  Beharrlichkeit  vertrat.
  Luther's  Grundsätze  hatten  ihm  nicht  mißfallen,  doch
traute  er  seinem  eignen  uUrtheile  zu  wenig,  um  sich  in  seinem
  Verhalten  dadurch  leiten  zu  lassen.  Er  wollte  daher
in  einem  durch  gelehrte  und  befugte  Männer  anzustellenden
gelehrten  Streite,  Wahrheit  und  Irrthum  am  besten  und
schnellsten  ermitteln  und  würde  sich  sodann  gewiß  für  diejenige
  Sache,  welche  ihm  als  Siegerin  aus  dem  Kampfe
gegangen  zu  seyn  geschienen,  mit  größter  Beständigkeit  und
allem  Eifer  interessirt  haben.  Er  ließ  daher  mit  vieler  Thätigkeit
  Anstalten  zu  der  Disputation  treffen,  wodurch,  wie
er  meinte,  die  Wahrheit  entschieden  werden  müsse,  welcher
von  beiden  Parteien  sie  auch  angehbren  moͤge.  Nicht  so
eifrig  wurden  diese  Vorbereitungen  von  anderer  katholischen
Seite  her  betrieben.  Man  besforgte  nicht  ohne  Grund,  daß
Luther's  klares  Selbstbewußtseyn  und  seine  Begeisterung  für
seinen  Glauben,  nicht  weniger  auch  seine  theologische  Gelehrsamkeit
  den  Sieg  über  die  sophistischen  Lufthiebe  seiner
Gegner  davon  tragen  werde  und  suchte  daher  lieber  die  ganze
Disputation  zu  hintertreiben;  ja  der  Merseburger  Bischof,
welchem  die  kirchlichen  Angelegenheiten  für  Leipzig  zugehörten,
verbot  sogar  die  Disputation  bei  Strafe  des  Bannes  und
ließ  dieses  Verbot  an  die  Thore  der  Stadt  anschlagen.  Aber
Herzog  Georg  —  dem  man,  wie  unfreundlich  er  auch  später
  sich  gegen  die  Reformation  erklärte,  doch  den  Ruhm  eines
  Mannes  von  festem  und  entschlossenem  Sinne  gennen