134  Die  Resormation.

muß  —  hatte  nun  einmal  seinen  Glauben  in  diese  Disputation
  gesetzt,  ließ  daher  ohne  Weiteres  jenes  Verbot  des
Bischofs  abreißen  und  demselben  in  harten  Worten  vermelden:
  daß,  wenn  der  Bischof  diese  Disputation  unterdruͤcken
wolle,  er  dadurch  beweisen  werde,  daß  er  und  seine  Theologen
  ihr  eignes  Werk  und  ihre  Lehre  fuͤr  Dunst  und  Trug
ansaͤhen  und  ohne  Hoffnung  waͤren,  solches  vor  Gott  und
der  Welt  vertheidigen  zu  koͤnnen.  Er,  der  Herzog,  weide
in  solchem  Falle  sie  öffentlich  als  Betruͤger  und  Nichtswisser
  bezeichnen,  die  sich  vor  dem  Lichte  der  Wahrheit  absichtlich
  versteckten.  —  Diese  entschiedene  Sprache  machte  zwar
den  ausgesprochenen  Bann  unwirksam  und  beurkundete
zugleich,  daß  Georg  wirklich  den  reinen  Willen  hegte,  die
Wahrheit  gegen  die  Tauschung  abzuwägen,  und  dabei  um
so  unpartheiischer  zu  Werke  ging,  indem  er  sich  damals
wirklich  noch  für  keinen  von  beiden  Theilen  entschieden  hatte;
ausserdem  aber  brachte  die  Disputation  selbst  keine  besondere
  Resultate  zuwege.  Eck,  welcher  sich  durchaus  den
Triumph  nicht  versagen  wollte,  außer  gegen  Carlstadt,  auch
noch  gegen  den  Hauptketzer,  gegen  Luther  selbst  zu  disputiren,
veranlaßte,  daß  Letzterer  nach  Leipzig  kam.  Zuerst  disputirte
Eck  mit  Carlstadt;  es  betraf  dieses  besonders  den  streitigen
Punkt  vom  freien  Willen  des  Menschen  und  ob  ein  gutes
Werk  allein  aus  göttlicher  Gnade  herzuleiten,  oder  ob  der
freie  Wille  des  Menschen  ebenfalls  einen  Einfluß  darauf
habe.  Carlstadt  mochte  allerdings  dem  in  der  theologischen
Fechtschule  geübten  Eck  nicht  ganz  gewachsen  seyn.  Desto
mehr  schwißte  Letztterer  in  dem  Streite  gegen  den  sattelfesten
  Lurher.  Beide  sprachen  —  wie  schon  früher  Luther
und  Cajetan  —  in  fremden  Sprachen  für  einander,  Luther
nadmlich  aus  der  Bibel,  Eck  aus  den  Deeretalien  und  Kirchenvätern,
  welche  Luther  nicht  für  competent  achtete.  So
konnten  Beide,  wegen  Luther's  aufgestelltem  Satze:  daß  die
Gewalt  des  Pabstes  sich  nicht  aus  der  Bibel  erweisen  lasse,
sich  weder  überführen  noch  widerlegen.  Ferner  stritt  man  sich
noch  ziemlich  lang  und  breit  —  denn  es  währte  bis  in  die
dritte  Woche  —  über  das  Fegefeuer,  über  den  Ablaß  und