Die  Reformation.  135

über  die  Buße.  Ohne  partheilich  zu  seyn,  darf  man  annehmen,
  daß  Eck  in  seinem  Streite  unterlag  und  daß  der
groͤßte  Theil  der  Zuhèrer  mit  der  Ueberzeugung  für  die
gute  Wahrheit  der  Lutherschen  Sache  hinwegging-  Leider
war  es  Luthern,  viellcicht  eine  Schuld  seines  zu  unberechneten
  Benehmens,  nicht  gelungen,  den  Herzog  Georg  für
sich  einzunehmen,  in  dessen  kräftigem  Willen  ihm  und  seiner
Sache  gewiß  ein  kräftiger  Beschützer  erwachsen  wäre,  während
  er  jetzt  einen  eben  so  eifrigen  Widersacher  an  ihm  erlangte.
  Namentlich  hatte  sich  Georg  an  einige  hussitische
Grundsätze  in  Luther's  Erèrterung  gestoßen  und  dadurch  ein
Vorurtheil  gegen  ihn  gefaßt,  welches  Eck  und  noch  Andere
geschäftig  waren,  allmälig  bis  zu  feindseligem  Widerwillen
auszubilden.  Aber  auch  einflußreiche  Freunde  hatte  sich
Luther  erworben;  denn  der  Unfug,  welchen  der  Pabst  bisher,
  namentlich  durch  den  Ablaß  getrieben  hatte,  war  von
den  meisten  Fürsten  mit  dem  tiefsten  Unwillen  empfunden
worden,  nicht  nur  aus  Räcksichten  der  Vernunft,  sondern
auch  aus  politischen  Gründen,  indem  man  es  nicht  gleichgültig
  mit  ansehen  konnte,  daß  der  rdmische  Hof  durch  die
lästerliche  Spiegelfechterei  des  Ablasses  eine  Masse  Geld  aus
Deutschland  entführte  und  obendrein,  durch  die  dem  gemeinen
  Manne  aufgeheftete  Ueberzeugung  des  leichten  Erlangens
  der  Sündenvergebung,  die  Moralität  des  Volks  verschlechterte.
  Unter  denen,  welche  lebhaften  Antheil  für  Luther
  hegten  und  die  nbthigenfalls,  neben  ihrem  Glauben,
auch  noch  ein  gutes  Schwert  in  die  Wage  werfen  konnten,
befanden  sich  auch  jene  Männer  der  Kraft  und  der  Wahrheit,
  die  wir  noch  heute  als  Repräsentanten  dieser  tugendlichen
  Eigenschaften  annehmen:  die  Nitter  Ulrich  von  Hutten,
Franz  von  Sickingen  und  Sylvester  von  Schaumburg.

Es  half  daher  wenig,  daß  der  aus  dem  Felde  geschlagene
Johann  Eck,  im  Ingrimme  des  Ueberwundenen,  nach  Rom
eilte,  seine  zerknickte  Feder  am  Fuße  des  päbstlichen  Thrones
niederlegte  und  eine  Bulle  vom  Pabste  erwirkte,  in  welcher
Luther  als  ein  Ketzer  verdammt  und  ihm  bei  Strafe  des
Bannes  auferlegt  wurde,  binnen  sechszig  Tagen  seinen  Wi-1520

