Die  Reformation.  141

wollte.  Schon  am  folgenden  Tage  (17.  April)  ward  er
vorgefordert.  Welch  ein  gewaltiger  Moment  für  Luther  —
der,  zwar  kräftigen  Geistes,  bisher  doch,  bei  der  offenbaren
Schwaäche  der  päbstlichen  Bannstrahlen,  nicht  viel  mehr,  als
den  ndthigen  Gelehrtenmuth  für  wissenschaftliche  Fehden  gebraucht
  hatte  —  sich  plotzlich  in  den  schwindelnden  Kreis
der  deutschen  Fürsten,  der  vornehmsten  Geistlichkeit  hineingeworfen
  zu  sehen,  wo,  wie  er  wußte,  so  mancher  hochgebierende
  Blick  feindselig  auf  ihm  ruhte,  wo  er,  ein  Sohn
armlicher,  niedriger  Herkunft,  einsam  und  aufgegeben  vor
der  Erdenhoheit  stand  und  nichts  mit  ihm  war,  als  sein
Glaube  und  sein  Bewußtseyn.  Der  churtrierische  Canzler,
Johann  von  Eck,  fragte  ihn  im  Namen  des  Kaisers,  ob  er
sich  zu  den  Büchern,  welche  hier  lägen  und  unter  seinem
Namen  gekannt  wären,  bekenne?  Luther  wollte  mit  einem
schnellen  Ja  antworten,  aber  sein  Rechtsfreund  Dr.  Schurf,
bedeutete  ihn,  sich  erst  ein  Verzeichniß  der  fraglichen  Bücher
vorlesen  zu  lassen.  Hierauf  bekannte  sich  Luther  zu  den  Büchern.
  Dann  ward  er  gefragt,  ob  er  das,  was  darinnen
gelehrt  und  behauptet  werde,  vertheidigen  oder  widerrufen
wolle?  Diese  Frage  bedurfte  der  Ueberlegung,  und  er  bat
sich  daher  bis  zum  andern  Tage  Bedenkzeit  aus.  Als  er
nach  dieser  kurzen  Frist  (18.  April)  wieder  erschien,  erklärte
er  feierlich  und  bestimmt,  daß  er  nichts  von  Allem  widerrufen
  konne,  und  zwar  um  so  weniger,  da  viele  weise  christliche
  Männer  den  Inhalt  seiner  Schriften  gutgeheißen  hätten
  und  ein  Widerruf  nur  für  des  Pabstes  Tyrannei  sprechen
  würde.  Statt  dieser  Erörterungen  drang  Johann  von
Eck  auf  eine  kurze  und  entscheidende  Erklärung,  und  diese
gab  Luther  allsogleich.  Er  nannte,  in  seiner  kernigen  Sprache,
  sein  hier  ausgesprochenes  kurzes  und  umschweifloses
Glaubensbekenntniß  eine  Antwort  ohne  Hörner  und  Zaͤhne,
und  erklaͤrte,  daß,  so  lange  er  nicht  aus  der  heiligen  Schrift
—  denn  dem  Pabst  und  den  Concilien  glaube  er  nicht  —
oder  mit  klaren  Gruͤnden  und  Beweisen  widerlegt  und  überführt
  werde,  er  auch  nicht  widerrufen  koͤnne.  Er  schloß  diesen
  Ausspruch  mit  den  welthistorisch  gewordenen,  bekannten