142  Die  Reformation.

Worten:  „dhier  stehe  ich,  ich  kann  nicht  anders,  Gott  helfe
mir  —  Amen!“

So  war  vor  Gott  und  irdischem  Reiche  das  große  Glau—
bensbekenntniß  unwiderruflich  ausgesprochen  und  durchge—
kaͤmpft.  Alles  fuͤhlte  sich  ergriffen  von  der  gewaltigen  Kraft
des  Monches,  und  selbst  der  stolze  Carl  V.  konnte  eine  belobende
  Acußerung  über  den  unerschrockenen  Muth  desselben
nicht  unrerdrücken.  Dennoch  fählte  sich  der  Kaiser  der  Kirche
so  weit  verpflichtet,  um  sie  gegen  Luther,  welcher  durch  seine
wachsende  Publicität  auch  immer  gefährlicher  wurde,  zu
schützen;  daher  ließ  er  am  folgenden  Tage  (19.  April)  der
Reichsversammlung  erklären,  daß  er  über  Luther  und  dessen
Anhänger  die  Acht  aussprechen,  jedoch  vorher  demselben  das
ihm  versprochen  sichere  Geleite  angedeihen  lassen  werde.  Da
wisperten  so  manche  dem  Kaiser  zu:  einem  Ketzer  brauche
man  kein  Versprechen  zu  halten.  Aber  Carl  entgegnete  mit
Würde:  daß  Treue  und  Glaube,  wenn  sie  auch  nirgend  mehr
zu  finden  seyen,  wenigstens  bei  einem  Kaiser  unverbrüchlich
fest  stehen  müßten.  Viele,  selbst  von  Luther's  Gegnern  —
unter  ihnen,  wie  es  heißt,  auch  Herzog  Georg  —  billigten
diesen  eines  Kaisers  würdigen  Ausspruch  eben  so  sehr,  als
sie  den  vorgeschlagenen  feigen  Verrath  verabscheuten,  und
bestärkten  ihn  in  seinem  rechtlichen  Vorsate.  Doch  wollte
man,  noch  einen  letzten  Versuch  machen,  Luther'n  zum  Widerruf
  zu  bewegen,  und  wählte  dazu  einen  Ausschuß,  bestehend
  aus  den  Churfürsten  von  Trier  und  von  Brandenburg,
dem  Herzog  Georg  von  Sachsen  und  andern  Fürsten  und
vornehmen  weltlichen  und  geistlichen  Herren.  Luther  erschien
zweimal  vor  ihnen,  man  wendete  Bitten  und  Drohungen  an,
um  ihn  zum  Widerrufe  zu  bringen,  aber  er  bestand  unwandelbar
  auf  dem  Satze:  daß  er,  nur  wenn  man  ihn  aus
der  heiligen  Schrift  widerlegen  und  Lügen  strafen  könne,
widerrufen  werde;  und  dem  Churfürsten  von  Trier  sagte  er:
„ist  meine  Sache  nicht  aus  Gott,  so  wird  sie  nicht  lange
dauern;  ist  sie  aber  aus  Gett,  so  werdet  Ihr  sse  nicht  dampfen!“
  So  ging  auch  dieser  engere  Ausschuß,  auf  welchem  die
letzte  Hoffnung  des  damaligen  katholischen  und  kaiserlichen