148  Die  Reformation.

sichtbaren  Stellvertreter  eines  uͤbersinnlichen  Reiches  —
mit  allen  seinen  Anhängseln  über  den  Haufen  werfen,  sondern
  auch,  neben  dem  ganzen  kirchlichen  Formenwesen,  die
Altaͤre,  Bildsaͤulen  und  Kirchengemaͤlde  zerstoͤren,  wie  es  um
acht  Jahrhunderte  früher  der  griechische  Kaiser  Leo  Isaurus
gehalten  hatte.  Der  allerdings  damals  bedeutende  Unfug
des  Bilderdienstes,  welcher  allmaͤlig  zu  einer  subtilen  Goͤtzendienerei
  herangewachsen  war,  hatte  sie  zu  diesen  Gedanken
veranlaßt,  und  sie  bedachten  nicht,  daß  durch  den  vereinfachenden
  Geist  der  Reformation  ohnedies  schon  die  Bedentsamkeit
  jener  Bilder,  welche  sich  die  Andacht  der  Menge  nach
und  nach  hergefabelt  hatte,  zu  Nichte  gemacht  und  die  denselben
  ungebührlicher  Weise  gezollte  Verehrung  abgestreift
werden  sollte.  Nebenbei  predigte  Karlstadt,  gegen  Luther's
Ueberzeugung,  daß  bei'm  Abendmahle  der  wahre  Leib  Christi
nicht  gegemwärtig  sey,  in  welcher  Meinung  ihm  auch  von
dem  Schweizerischen  Reformator  Ulrich  Zwingli  beigestimmt
wurde.  Luther,  welcher  —  sey  es  aus  Vorsicht,  um  nicht
gerade  durch  Verletzung  einer  kleineren,  beiläusigen  Glaubensform
  (die  allerdings  oft  wichtiger,  wenigstens  gefährlicher,
  als  eine  Hauptsache  ist)  das  ganze  Gebäude  auseinander
  zu  sprengen,  oder  sey  es  aus  wirklicher  individueller  Ueberzeugung
  —  hartnäckig  die  Gegenwart  des  wahren  Leibes
und  Blutes  Christi  behauptete,  reiste  in  Person  zu  Karlstadt
nach  Orlamünde,  um  ihm  den  Kopf  zurecht  zu  setzen.  Aber
dieser  stack  bereits  so  tief  in  seinen  fixen  Ideen  und  betrieb
seine  Bilderstürmerei  so  systematisch,  daß  Luther  nichts  mit
seinen  Ermahnungen  ausrichtete.  Karlstadt  predigte,  obgleich
man  ihm  als  Prediger  früher  schon  das  Handwerk  gelegt
hatte,  seine  Meinung  unermüdet  fort,  bis  er  später  die  chursächsischen
  Lande  räumen  mußte,  nach  längern  Hin=  und
Herirren  sich  endlich  zu  Basel  in  der  Schweiz  niederließ  und
dort  (1541)  in  einem  Lehramte  starb.  Diesen  Bilderstürmern
  gesellte  sich  bald  ein  anderer  Schwärmerhaufen  bei,
der  einen  Tuchknappen  von  Zwickau,  Nicolaus  Storch,  an
seiner  Spitze  hatte.  Dieser  hatte  fortwährend  göttliche  Ofsenbarungen
  und  Erscheinungen,  pflegte  sehr  intimen  Um-