152  Der  Bauernkrieg.

te.  Im  Grunde  war  der  Irrthum  dieser  Bauern  nicht  aͤrger,
  als  der  einstige  der  Juden,  welche  von  Christus  ebenfalls
  die  Erkämpfung  einer  politischen  Freiheit  erwarteten
und  erst  dann  ihn  aufgaben,  als  sie  bemerkten,  daß  die
Richtung  seines  Strebens  sich  auf  ein  ganz  anderes  Ziel
lenke.  Die  Bauern,  einmal  in  dem  Traume  einer  urplötzlichen
  Freiheit  befangen,  suchten  ihre  im  Ganzen  nicht  mehr
als  naturrechtlichen  Wünsche  und  Hoffnungen  —  nämlich:
billige  Vertheilung  und  zweckmäßige  Verwendung  der  Abgaben,
  Sicherstellung  gegen  Willkührlichkesten  ihrer  Herrschaft,
pflichtmäßige  Verwahrung  ihres  Eigenthums,  Milderung  der
schändlichen  Leibeigenschaft,  kurz  gesetzliche  Menschenrechte  —
auf  dem  Wege  des  Rechtes  und  des  Gesetzes  zu  erlangen.
Kläglicher  Irrthum  dieser  Unglücklichen!  Gegen  sie  gab  es
tausend  Rechte  und  Gesetze,  für  sie  nicht  Eines;  daher  blieben
  ihre  Vorstellungen  ohne  den  mindesten  Erfolg.  So  zurückgestoßen,
  ward  das  kaum  in  ihnen  geweckte  Menschengefühl
  zum  Wahnsinn.  Sie  rotteten  sich  zusammen  und
verlangten  mit  Gewalt  ihr  Recht,  so  wie  auch  freie  Ausübung
  ihres  Glaubens,  der  freilich  ein  wenig  bunt  aussehen
mochte.  Ihre  Zuversicht  wuchs,  als  einige  mächtige  Herren
sich,  wenn  auch  auf  versteckte  Weise,  zu  ihnen  schlugen,  natürlich
  um  sich  ihrer  zu  selbstsüchtigen  Zwecken  zu  bedienen.
Luther  erschrak  heftig  über  diese  Unordnungen  und  hatte  um
so  mehr  Ursache  sich  zu  betrüben,  weil  die  Bauern  ihn,  wider
  seinen  Willen,  als  ihren  Messias  betrachteten  und  sich
auf  ihn  beriefen.  Er  wendete  sich  mit  wiederholten  Ermahnungen
  an  sie  und  ließ  es  an  mündlichen  und  schriftlichen
Beschwörungen  nicht  fehlen,  um  sie  zur  Ruhe  zu  bringen.
Da  sie  aber  störrisch  auf  ihre  Forderungen  beharrten  und
jede  Mahnung,  davon  abzustehen,  zurückwiesen,  ergrimmte
der  hitzige  Luther  so  arg,  daß  er  selbst  die  Fürsten  gegen  sie
aufrief  und  sie  in  Masse  todtzuschlagen  rieth.  Die  sinnlosen
Anseichten  der  Bauern,  verbunden  mit  den  wüthenden  Grausamkeiten,
  welche  sie  in  Schwaben  und  Franken  begingen,
mochten  ihm  mit  Recht  einen  Abscheu  gegen  sie  einflößen,
aber  das  erbarmungslose  Verdammungsurtheil,  womit  er