1525

154  Der  Bauernkrieg.

ruͤhrischen  schwaͤbischen  und  fraͤnkischen  Bauern  zu,  und  so
hatte  Muͤnzer  binnen  kurzem  ein  der  Anzahl  nach  starkes
Heer  beisammen,  mit  welchem  er  seinen  Menschenbefreiungskampf
  recht  leicht  zu  bewerkstelligen  hoffte.  Wenigstens  traf
er  sehr  ernsthafte  Maßregeln  hierzu,  indem  er  z.  B.  das
Franciskanerkloster  zu  Muͤhlhausen  in  eine  Stuͤckgießerei  verwandelte
  und  hierdurch  seine  Bauern  auf  besten  kriegerischen
Fuß  zu  stellen  glaubte.  Sein  Adjutant  und  Vertrauter,
Pfeifer,  fruͤher  ein  Moͤnch,  an  Schwaͤrmerei  ihm  gleich,
an  Tollkuͤhnheit  ihm  uͤberlegen,  ging  mit  den  verwegensten
Bauern  gern  auf's  Marodiren  aus  und  unternahm  räuberische
  Streifzuͤge  in  die  Gebiete  der  benachbarten  Herren,
so  daß  allmaͤhlig  die  Ruhe  und  Sicherheit  von  ganz  Deutschland
  gefaͤhrdet  wurde.  Daher  sahen  sich  die  Herzoͤge  von
Sachsen,  in  Verbindung  mit  dem  Herzog  Heinrich  von
Braunschweig  und  dem  Landgrafen  Philipp  von  Hessen,  genèthigt,
  diesen  Unruhen  mit  Gewalt  ein  Ende  zu  machen
und  die  Aufrührer  aus  einander  zu  jagen.  Man  ließ  ihnen
vorher  Gnade  zusichern,  wenn  sie  ihre  Anföhrer  ausliefern
und  friedlich  aus  einander  gehen  wollten.  Aber  Muͤnzer  hatte
ihnen  vorgespiegelt,  daß  der  Himmel  durch  ein  directes  Wunder
  ihre  Feinde  vernichten  werde,  sich  auch  verbindlich  gemacht,
  die  Kanonenkugeln  mit  seinen  Aermeln  außzufangen,
und  was  sonst  für  übernatürliche  Dinge  den  Sieg  erringen
helfen  sollten.  Die  Bauern,  im  tollen  Glauben  an  ihres
Führers  göttliche  Sendung,  vom  Nachedurst  gegen  ihre  Unterdrücker
  entzündet,  wiesen  jede  Unterhandlung  ab.  Munzer,
welcher  sich  mit  8000  Bauern  bei  Frankenhausen  gelagert
hatte,  erwartete,  in  trotziger  Zuversicht  auf  die  Wunder  des
Himmels  und  die  Begeisterung  seiner  wilden  Truppen,  die
Schlacht,  welche  am  15.  Mai  1525  blutig  entscheidend  her—
einbrach:  5000  Bauern  wurden  erschlagen,  und  was  von
den  Uebrigbleibenden  nicht  den  Siegern  in  die  Hände  fiel,
floh  vereinzelt  in  das  Innere  von  Franken  und  Thüringen.
Mänzer  ward  in  Frankenhausen,  wo  er  sich  zu  verbergen
suchte,  ertappt,  und  in  Mühlhaufen  hingerschtet.  Ein  gleiches
Ende  traf  seinen  Gefährten  Pfeifer  und  noch  viele  Andere