Friedrich's  des  Weisen  Tod.  155

seiner  Mitraͤdelsfuͤhrer.  Der  schreckliche  Untergang  dieser
Maͤnner  half  auch  die  Unruhen  in  den  andern  Gegenden
Sachsens  unterdruͤcken.  Die  entsetzten  Bauern  krochen  zu
Kreuze,  leisteten  wieder  ihre  Frohnen,  ließen  sich  auf's  Neue
von  ihren  Edelleuten  schinden,  kurz  sie  wurden  wieder  ruhige,
  gute  Unterthanen,  wie  man  sie  in  jeder  Zeit  der  schmählichen
  Herrengewalt  nur  wönschen  und  brauchen  konnte.

Der  Friedensengel,  der  im  Leben  treu  neben  Churfürst  Friedrich
  dem  Weisen  ausgeharrt  hatte,  wollte  ihn  nicht  den  blutigen
  Tag  von  Frankenhausen  sehen  lassen  und  entrückte  ihn
um  zehn  Tage  früher  einer  Welt,  deren  Kämpfe  den  greisen
Färsten  zu  ermüden  begannen.  Am  5.  Mai  starb  Friedrich
der  Weise  im  drei  und  sechszigsten  Lebensjahre,  auf  dem
Schlosse  Lochau,  als  ein  wahrer  christlicher  Fürst.  Die  unruhvolle
  Zeit  und  die  vielfachen  Stürme,  welche  die  Ruhe
seines  Abendhimmels  stdrten,  hatten  ihn  gleichgültig  für  das
Leben  gemacht,  und  vierzehn  Tage  vor  seinem  Ende  sagte  er
daher  im  Vorgefühle  seines  Todes,  mit  Ergebung  zu  einem
seiner  Kammerdiener:  „Wenn  mein  lieber  Gott  will,  so  will
ich  gern  von  dieser  Welt,  denn  es  ist  doch  weder  Lieb'  noch
Wahrheit,  weder  Treue  noch  nichts  Gutes  hier  auf  Erden!“
Inniger  schloß  er,  die  nahe  Trennung  vor  Augen,  sich  noch
an  die  an,  welche  er  liebte,  und  begrüßte  seinen  treuen  Spalatin,
  welcher  zu  ihm  kam,  mit  den  Worten:  „Ihr  thut
wohl,  daß  Ihr  zu  mir  kommt,  denn  Kranke  soll  man  besuchen.“
  Und  in  Liebe,  wie  er  gelebt,  auch  aus  dieser  Welt
zu  scheiden,  achtete  der  gottesfürchtige  Fürst  nicht  zu  gering,
selbst  seine  Diener  um  Verzeihung  zu  bitten,  falls  er  sie
unverdient  gekränkt:  „Lieben  Kinder,  ich  bitte  Euch  um  Gottes
  Willen,  wo  ich  Euer  einen  irgends  erzürnt  hätte,  es  sey
mit  Worten  oder  Werken,  ihr  wollet  mir's  um  Gottes
Willen  vergeben,  und  wollet  andre  Leute  auch  bitten,  sie
wollten  mir's  um  Gottes  Willen  vergeben.  Denn  wir  Fürsten
  thun  den  armen  Leuten  allerlei  Beschwerung,  und  das
nicht  taugt.“  Thränen  aller  Anwesenden  antworteten  ihm.
Wenige  Stunden  vor  seinem  Ende  gedachte  er  noch  mit
rührender  Freundschaft  Luther's  und  wünschte  ihn  herbei,