156  Friedrich's  des  Weisen  Tod,

um  ihm  Lebewohl  zu  sagen;  man  sendete  auch  nach  demselben,
  fand  ihn  aber  nicht,  weil  er  eben  sich  am  Harze  befand.
  Nachdem  Friedrich  der  Weise  noch  das  Abendmahl
unter  beiderlei  Gestalt  eingenommen,  mithin  sterbend  sich
zur  neuen  Lehre  bekannt  hatte,  die  er  lebend  zwar  mit  bester
  Kraft  zu  schützen,  aber  nicht  unmittelbar  sich  für  sie  zu
erklären  pflegte,  schlummerte  er  sanft,  wie  der  Gerechte,  ein,
um  nicht  wieder  zu  erwachen,  und  Dr.  Auerbach  sprach  segnend
  dic  bezeichnenden  Worte  über  den  Verklárten:  „kuit
filius  pacis,  ideo  pacifice  obi##t“  —  er  war  ein  Sohn
des  Friedens,  darum  schied  er  in  Frieden  dahin.  In  der
Schloßkirche  zu  Wittenberg,  welche  Stadt  er  durch  die  von
ihm  gegründete  Universität  berühmt  gemacht  hatte,  fand  er
seine  Schlummerstatte.

In  Friedrich  dem  Weisen  sank  die  schonste  und  erste
Säule,  an  welcher  die  Frühsprossen  der  Reformatson  sich
aufgerankt  hatten.  Wie  schon  bemerkt,  hatte  er  sich  nie
offen  und  mit  klaren  Worten  für  sie  erklärt,)  allein  sein
Glaubensbekenntniß  lag  in  Handlungen,  nicht  in  Formeln.
Er  hatte  der  Reformation  allen  moglichen  Vorschub  geleistet,
hatte  ihr  in  seinen  Staaten  Kanzeln  und  Lehrstühle  eingerdumt,
  um  sie  zu  verkünden  und  zu  vertheidigen,  hatte,
ohne  offene  Gewalt  zu  brauchen,  die  gegen  die  neue  Lehre
und  ihre  Verkünder  geschleuderten  Bannstrahlen  des  Pabsteé
aufgefangen  und  sie  unschädlich  zu  machen  gewußt,  selbst
den,  kirchlichen  Einflüssen  nicht  abholden  Kaiser  neutralisirt;
kurz  er  hatte  die  Reformation  unter  seinem  Herzen  genährt
und  gepflegt,  sie  war  gewissermaßen  sein  Kind,  nur  daß  sie
nicht  seinen  Namen  trug.  —  Mit  Recht  folgte  seiner,  der
Erde  entfliehenden  Seele  das  Zeugniß  nach:  daß  er  ein  Sohn
des  Friedens  gewesen;  denn  troß  der  unruhvollen,  gährungs-——



»)  Sehr  treffend  urtheilt  Böttiger  in  seiner  geistvollen  sächsischen
Geschichte:  „es  war  gut,  daß  die  Reformatson  nicht  eher  Sache
der  Fürsten  wurde,  als  bis  sie  Sache  des  Volkes  geworden
war.“