Friedrich's  des  Weisen  Tod.  157

reichen  Zeit,  hatte  er  im  Laufe  seiner  ganzen  Regierung
keinen  Krieg  gefuͤhrt.  Seine  politische  Besonnenheit,  die
Achtung  und  der  Einfluß,  welchen  er  als  einer  der  mächtigsten
  Fuͤrsten  und  redlichsten  Maͤnner  genoß,  hatten  es  immer
  gefügt,  daß  er  durch  friedliche  Verhandlungen  eben
dasselbe  bezweckte,  was  ein  Anderer  nur  durch  Hilfe  des
Schwertes  errungen  haben  würde.  Ohne  ein  hartnäckiges
Widerstreben  zu  dußern,  hatte  er  gleichwohl  Luther'n  und
dessen  Lehre  gegen  den  Bann  des  römischen  Stuhles,  wic
gegen  die  vom  Kaiser  ausgesprochene  Reichsacht  beschuͤtzt,
dabei  aber  dennoch  die  Achtung  gegen  Beide  nicht  verletzt,
indem  er  nur  den  Einwand  walten  ließ,  daß  er  Luther'n
nicht  eher  der  Strafe  des  Bannes  und  der  Acht  für  verfallen
  ansähe,  bis  derselbe,  sammt  scihen  aufgestellten  Grundsätzen,
  befriedigend  widerlegt  worden  sey.  Indem  er  es
vermied,  offene  Gewalt  anzuwenden,  bewog  er  die  Gegner
der  Reformation,  ihn  bei  diesen  friedlichen  Gesinnungen  zu
erhalten  und  die  von  ihm  vertretene  Sache  nicht  mit  besonderem
  Eifer  anzugreifen.  Ein  Religionskrieg,  im  Beginne
der  Reformation,  würde  leicht  den  ganzen  jungen  Bau  daniedergeworfen
  haben;  allein  unter  dem  langen  Frieden  des
weisen  Churfürsten  bereits  erstarkt  und  besser  eingewurzelt,
durfte  sie  später  losbrechende  Stürme  weit  weniger  scheuen.
Er  batte  die  größte  Saat  der  Zeit  reifen  sehen,  und,  ein
weiser  Gärtner,  wollte  er  das  Wachsthum  derselben  weder
hemmen,  noch  unzeitig  beschleunigen.  Dadurch  gewann  die
Frucht  an  natürlicher  Kraft  und  innerm  Halte,  und  die
Erndte,  welche  freilich  eigentlich  erst  uber  seinem  Grabe  gedieh,
  segnete  sein  Andenken.  —  Wie  man  glaubt,  aus  liebender
  Rücksicht  für  seinen  Bruder  Johann  und  dessen  Nachkommenschaft,
  blieb  Friedrich  unvermchlt.  Daß  aber  ein
so  warmes,  empfindungsreiches  Gemüth,  wie  das  seine,  sich
auch  der  Liebe  bedürftig  fühlen  mußte,  darf  wohl  nicht
Wunder  nehmen.  Gleichwohl  verleitete  ihn  dieses  Bündniß
nie  zu  Aufwand  oder  besondern  Protectionen.  Zwei  natürlichen
  Söhnen,  welche  ihm  eine  gewisse  Anna  Weller  aus
Moͤllsdorf  gebar,  vermachte  er  in  seinem  letzten  Testamente