Johann  der  Bestaͤndige.  159

1528  zu  Dresden  das  angebliche  Original  einer  Bundesurkunde
  zeigte,  ihm  auch  dasselbe  in  die  Haͤnde  zu  spielen  versprach,
  wenn  ihm  der  Landgraf  4000  Gulden  zu  Bestechung
der  Beamten  verwillige.  Diese  Urkunde  enthielt  ein  am  12.
Mai  1527  zu  Breslau  zwischen  dem  freilich  sehr  katholischen
Ferdinand  von  Boͤhmen,  den  Churfuͤrsten  von  Mainz  und
Brandenburg,  dem  Herzoge  von  Baiern,  dem  Erzbischof  von
Salzburg,  den  Bischoͤfen  von  Bamberg  und  Wuͤrzburg  und
dem  Herzog  Georg  von  Sachsen,  abgeschlossenes  geheimes
Buͤndniß,  welches  dahin  zielte,  erstlich,  den  Koͤnig  Ferdinand
in  den  Besitz  von  Ungarn  zu  bringen,  desgleichen  mit  gemeinschaftlichen
  Kräften  die  Reformation  und  ihre  Anhänger
  niederzudrücken,  besonders  aber  dem  Churfürsten  Johann
von  Sachsen  durch  Gewalt  der  Waffen  die  Wahl  zu  lassen,
ob  er  Luther'n  und  die  Mitketzer  ausliefern  und  im  Punkte
der  Religion  Alles  wieder  in  den  vorigen  Stand  bringen,
oder  Land  und  Würden  verlieren  wolle;  in  welchem  letztern
Falle  dem  Herzog  Georg  der  größte  Theil  des  Landes  verbleiben
  und  der  übrige  an  Ferdinand  und  den  Churfürsten
von  Brandenburg,  ingleichen  an  die  fränkischen  Bischdfe  fallen
  sollte.  Dieselbe  Wahl  sollte  auch  dem  Landgraf  Philipp
  gestellt  werden,  obschon  man  ihm,  in  Rücksicht  auf  seine
Jugend,  sein  Land  zurückzugeben  einig  geworden  war.  Der
reizbare  Philiop  gerieth  bei  Einsicht  dieser  von  Pack  ihm  gezeigten
  Urkunden  in  heftigen  Zorn  und  reis'te  ohne  Weiteres
  zu  Churfürst  Johann,  den  er  in  Weimar  traf,  ihm  die
gemachte  Entdeckung  in  aller  Hitze  mittheilte,  und  da  auch
dieser  auf  seiner  Hut  seyn  zu  müssen  glaubte,  am  9.  März
mit  ihm  ein  Bündniß  gegen  die  verschwornen  Fürsten  abschloß
  und  sofort  mit  demselben  wegen  eines  Vertheidigungsplanes
  übereinkam.  Der  feurige,  ungeduldige  Philipp  wollte,
ohne  erst  offene  Schritte  der  Verschwornen  abzuwarten,  allsogleich
  zum  Angriff  gegen  dieselben  schreiten.  Johann's  Räthe

  und  Freunde  waren  aber  mit  diesem  gewaltsamen  Verfahren

  nicht  einverstanden,  sondern  vielmehr  der  nicht  unklugen
  Meinung,  man  müsse  doch  sich  nicht  unbedingt  von
dem  Vertrauen  zu  einer  leicht  zu  verfälschenden  Schrift,  lei-1528

