160  Johann  der  Beständige.

ten  lassen,  besonders  bei  so  gewichtigem  Unternehmen,  son—
dern  die  jenes  geheimen  Buͤndnisses  beschuldigten  Fuͤrsten  erst
befragen,  ob  sie  wirklich  dieses  Anschlages  schuldig,  und  selbst
im  Falle  ihres  Eingestaͤndnisses,  sie  lieber  auf  guͤtliche  Weise
zu  dem  Rechten  zuruͤckzubringen  suchen.  Der  ungeduldige
Philipp  mochte  diese  Bedaͤchtigkeiten  und  Erwaͤgungen  nicht
erst  abwarten,  sondern  fiel,  ohne  sich  von  den  Abmahnungen
  des  Churfuͤrsten  bewegen  zu  lassen,  mit  einem  bedeuten—
den  Heere  in  das  Mainzische  und  Bambergische  Gebiet  ein.
Hier  erst  ließ  ihn  die  Besorgniß  —  daß  der  Churfuͤrst  viel—
leicht,  von  seinen  Raͤthen  bewogen,  ihn  mitten  in  der  Gefahr
im  Stiche  lassen  moͤchte  —  zu  der  vorher  versaͤumten  fried—
lichen  Maßregel  schreiten,  seinem  Schwiegervater,  dem  Herzog
  Georg,  schriftlich  das  demselben  angeschuldigte  feindselige
Bündniß  vorzuhalten.  Dieser  war,  oder  zeigte  sich  über  diese
Anklage  sehr  bestürzt  und  betheuerte,  daß  zu  cinem  Bündnisse
  dieser  Art  nie  die  entfernteste  Idee  vorhanden  gewesen
und  daß  diese  ganze  Sache  ein  Hirngespinst  und  das  Werk
lägnerischer  Verldumdung  sey.  Eine  gleiche  Antwort  ertheilten
  die  sämmtlichen,  dieses  Bundes  theilhaft  bezeichneten
  Fürsien.  Verlegen  berief  sich  Philipp  auf  die  in  Dresden
  eingesehene  Urkunde,  welche  Pack  jedoch  nicht  mehr  im
Original  beibringen  konnte  und  dadurch  der  Wahrscheinlichkeit
  des  ganzen  Handels  einen  gefährlichen  Stoß  versetzte,
obschon  er  einwendete:  das  Original,  welches  sich  im  Archive
Herzogs  Georg  befunden  habe,  musse  —  vielleicht  weil  Georg
aus  dem  Bunde  herausgetreten  —  vernichtet  worden  seyn.
Durch  Vermittelung  der  Churfürsten  von  der  Pfalz  und  von
Trier,  verstand  sich  der  Landgraf  Phllipp  zu  einem  Vergleiche,
  in  Folge  dessen  er  seine  Truppen  aus  einander  gehen
ließ.  Dagegen  mußten  ihm  die  Bischdfe  von  Mainz,  Bamberg
  und  Wörzburg  (unbegreiflicher  Weise,  nachdem  Philipp,
wahr  oder  unwahr,  die  Grundlosigkeit  seines  Verdachtes  und
folglich  seines  Feldzuges  zugeben  mußte,  weil  er  aus  Mangel
  an  Beweisen  seine  Anklage  nicht  durchführen  konnte!)
100,000  Gulden  für  die  gehabten  Kriegskosten  erlegen.
Churfürst  Johann  trat  diesem  Vergleiche  bei,  erhielt  aber,