162  Johann  der  Beständige.

Male  ernstlich  daran  erinnert  und  seine  Gesinnungen  gegen
die  Kirchenneuerung  sehr  unzweideutig  zu  verstehen  gegeben.
Gleichwohl  war  es  noch  immer  nicht  zu  ernsthaften  Maßregeln
  gekommen,  und  immer  von  Neuem  wurde  die  letzte
Entscheidung  und  die  Vollziehung  des  Wormser  Spruchs
einer  allgemeinen,  oder  wenigstens  einer  Nationalversammlung
  in  Deutschland  vorbehalten.  Diese  heilsame  Saumseligkeit
  wurde  durch  die  Umstände  bedingt;  den  Kaiser  beschäftigte
  nicht  nur  ein  neuer  italienischer  Krieg  sehr  lebhaft,
sondern  auch  die  Türken,  welche  in  Ungarn  einfielen  und  die
Gegenwehr  des  Kaisers  ndthig  machten,  mußten  auf  solche
Weise,  wider  ihr  Wissen,  der  Sache  der  Reformation  zu
Hilfe  kommen.  Der  Kaiser  konnte,  so  lange  er  nicht  mit
den  auswärtigen  Gegnern  fertig  war,  es  innerhalb  Deutschland
  zu  keinem  letztentscheidenden  Schritte  kommen  lassen,
weil  ein  solcher  leicht  zu  einem  Kriege  geführt  und  dieser
ihn  solchen  Falls  noch  nicht  gehbrig  gerüstet  gefunden  haben
würde.  Nach  längerm  Hin=  und  Herzögern  —  während
dessen  Churfürst  Johann  in  seinem  Reformationseifer  nicht
1527  stillstand  und  besonders  1527  die  großt  Kirchenoisitation  in
1528  seinen  Landen  anordnete,  welche  auch  im  folgenden  Jahre
zu  Stande  kam  und  durch  Johannes  Räthe  und  Theologen,
Luther,  Melanchthon,  Spalatin,  Myconius  und  Andere  vollzogen
  wurde,  bei  welcher  Gelegenheit  Luther  den  Zustand
der  Schulen  meist  noch  sehr  in  Verwilderung  antraf  und
daher,  um  zu  einem  übereinstimmenderen  und  haltbaren
Religions  =  Unterricht  Veranlassung  zu  geben,  erst  seinen
kleinen,  dann  seinen  großen  Catechismus  schrieb  —  nach
diesem  Zögern  entschloß  sich  der  Kaiser  (1.  Aug.  1528.)
einen  neuen  Reichstag  nach  Speyer  auszuschreiben,  welcher
1529  jedoch  erst  im  folgenden  Jahre  zu  Stande  kam  und  fehr
zahlreichen  Besuch  erhielt.  Churfürst  Johann  fand  sich,  in
Melanchthon's  und  mehrer  Andern  Begleitung,  persönlich  in
Speyer  ein,  mußte  sich  aber  von  Seiten  der  Katholischen
ziemlich  schndde  und  geschraubt  behandeln  lassen.  Der  Kaiser,
  welcher  nicht  in  Person  erscheinen  konnte,  ließ  sich  durch
den  Koͤnig  Ferdinand  und  einige  andere  Fürsten  vertreten.