Johann  der  Beständige.  165

und  zur  gemeinschaftlichen  innigsten  Verschwisterung  erschaffen
  hätten.  Fast  mochte  man  glauben,  daß  Luther,  der  nie
eine  Nebenreformation  begünstigt  hatte,  durch  eine  gewisse
Eifersucht,  sich  zum  alleinigen  Hort  eines  Glaubens  aufzuwerfen,
  zu  diesem  unseligen  Starrsinn  verleitet  worden  sey,
der  so  betrübende  Folgen  nach  sich  zog  und  eines  der  schoͤnsten
  Böndnisse  vereitelte.  Es  wäre  besser  gewesen,  Churfürst
Johann  hätte  hier  einen  Machtspruch  über  Luthern  verhaͤngt,
als  daß  er,  ihm  folgend,  diese  Spaltung  aufnahm,  zufolge
deren  die  schweizerische  und  die  lutherische  Partei,  jede  ihre
Sache  zu  einer  besonderen  machten  und  auch,  jede  auf  einem
  andern  Wege,  sie  vertraten.

Die  protestirenden  Fürsten  hielten,  kurz  nach  dem  Reichstage
  zu  Speyer,  eine  Zusammenkunft  in  Nürnberg,  auf
welcher  beschlossen  wurde,  drei  Abgeordnete  in  der  Protestationssache
  an  den  Kaiser  zu  schicken,  welcher  sich  eben  in
Piatenza  befand.  Der  Kaiser  nahm  sie  nicht  eben  gnädig
auf  und  da  er  ihnen,  als  sie  die  Appellation  ihrer  Herren
zu  überreichen  wünschten,  keine  Audienz  geben  wellte  und
sie  ihm  dieses  Instrument  durch  seinen  Seeretair  in  die  Hände
spielen  ließen,  so  ward  er  so  aufgebracht,  daß  er  sie  zu  Arrest
  bringen  ließ  und  ihnen,  erst  nachdem  sie  ihm  als  Gefangene
  nach  Parma  gefolgt  waren,  ihre  Freiheit  wiedergab.

Wie  wenig  gute  Hoffnung  auch  dieses  ungütige  Benehmen
  des  Kaisers  den  Evangelischen  für  ihre  Sache  einflößte,
so  ließ  sich  derselbe  doch  in  seinem  Ausschreiben  zu  einem
Reichstage  nach  Augsburg  vom  21.  Januar  1530  gelinde  1530
vernehmen,  denn  er  erklärte  darin,  daß  er  eines  Jeden  Meinung
  im  Punkte  der  Religion,  in  Liebe  und  Güte  anhdren,
überlegen  und  wo  mglich  zu  vereinigen  suchen  wollte.
Churfürst  Johann  erhielt  dazu  eine  besondere  schriftliche  Einladung
  vom  Kaiser,  woraus  man  ersehen  konnte,  daß  dieser
Reichstag  sich  vorzüglich  auch  auf  die  kirchlichen  Händel  lenken
  und  eine  Art  von  Nationalconcilium  abgeben  werde.
Aus  dieser  Rücksicht  ließ  Johann  durch  seine  Wittenberger
Theologen  eine  kurze  Uebersicht  der  evangelischen  Hauptlehren
  aufsetzen,  welche  bei  den  Reichstags-Erdrterungen  einen