Die  augsburgische  Consession.  167

Predigen  untersagen  ließ,  dagegen  er,  um  eine  gewisse  Neutralitaͤt
  zu  bekunden,  seinen  katholischen  Predigern  eine  gleiche
Weisung  gab,  uͤber  welchen  Punct  sich  Johann  in  seinem
Schreiben  ebenfalls  mit  loͤblichem  Freimuthe  aussprach.  Fuͤr
die  lange  Frist  des  Wartens  aber  ward  von  Melanchthon
die  reichlichste  Entschaͤdigung  geboten,  indem  er  diese  Zeit
dazu  benutzte,  auf  den  Grund  der  Torgauer  Artikel  das,  unter
  dem  Namen  der  Augsburgischen  Confession  bekannte,
  nach  Hauptbegriffen  entworfene  evangelische  Glaubensbekenntniß
  —  worinnen  die  Grundsätze  und  Lehrbegriffe
dieser  Religionspartei  mit  aller,  einem  Melanchthon  beiwohnenden
  Gelehrsamkeit,  Klarheit  und  Mäßigung  entwickelt
waren  —  außzusetzen.  Gleich  nach  ihrer  Beendigung  ward
sie  nicht  nur  Luther'n  zur  Beurtheilung  zugesandt,  sondern
auch  allen  protestantischen  Ständen  vorgelegt,  und  Alle  waren
  mit  der  trefflichen  und  einleuchtenden  Schrift  bestens
einverstanden.  Am  15.  Juni  Abends  kam  endlich  der  Kaiser
  mit  vielem  Glanze  in  Augsburg  an.  Als  Reichserzmarschall
  trug  Churfürst  Johann  ihm,  bei  seinem  Einzuge,  das
Schwert  voran  und  es  mochte  den  Katholiken  wohl  unangenehm
  in  die  Augen  stechen,  daß,  als  der  päbstliche  Gesandte
seinen  Segen  sprach  und  der  Kaiser  und  sein  ganzes  Gefolge
auf  die  Kniee  fielen,  Johann  und  die  übrigen  protestantischen
Fürsten  kein  Knie  beugten.  Ja,  es  stand  Letzteren  eine  noch
unbequemere  Probe  bevor,  denn  wahrscheinlich  mit  Absicht
hatte  man  die  Ankunft  des  Kaisers  just  an  dem  Abende  vor
dem  großen  katholischen  Feste,  dem  Frohnleichnamstage,  geschehen
  lassen,  und  der  Kaiser  muthete  ihnen  zu,  daß  sie
der  Procession  dieses  Festes  beiwohnen  sollten.  Dies  lehnten
  sie  äußerst  bestimmt  ab,  und  der  Markgraf  Georg  von
Brandepburg  besonders,  welcher  hierbei  für  die  protestantischen
  Fürsten  das  Wort  führte,  gerieth  dabei  so  in  Hitze,
daß  er  die  Hand  an  seinen  Hals  legte  und  erklärte:  daß  er
lieber  augenblicklich  niederknieen  und  sich  den  Kopf  abschlagen
  lassen,  als  gegen  seine  Ueberzeugung  sich  den  Gebräuchen
  einer  irrigen  Lehre  unterziehen  wolle.  Seine  Hitze  ndthigte
  dem  Kaiser  ein  nicht  ungütiges  Lächeln  ab  und,  ohne

1530