168  Die  augsburgische  Confession.

zu  zuͤrnen,  erwiderte  er:  „loͤver  Foͤrst,  nit  Kopf  af!  nit  Kop
af!“  —  Dennoch  war  man,  um  die  Protestanten  zu  einer
fuͤr  sie  demuͤthigenden  Handlung  zu  bewegen,  zudringlich
genug,  dem  Churfuͤrsten  Johann  noch  um  eilf  Uhr  des
Nachts  eine  Erklaͤrung  abzuverlangen,  worauf  dieser  jedoch
nichts  entgegnete,  als  daß  man  ihn  jetzt  ruhen  lassen  moͤge.
Am  andern  Morgen  aber  ließ  er  —  da  ihn  selbst  (vielleicht
  planmaͤßig)  eine  Unpäßlichkeit  zu  Hause  festhielt  —
durch  seinen  Sohn  Johann  Friedrich  und  die  übrigen  Fürsten,
  dem  Kaiser  eine  ziemlich  derbe  Erklärung  überbringen
und  das  Ende  war,  daß  sie  der  Procession  nicht  beiwohnten.
  Vier  Tage  später  (20.  Juni)  ward  der  Reichstag
mit  einer  feierlichen  Messe  in  der  Cathedralkirche  erbffnet,
wobei  Johann  wiederum  das  Erzmarschalschwert  vortrug,
nachdem  er-  und  seine  Freunde  zuvor  ausdrücklich  erklärt
hatten,  daß  sie  sich  die  Messe  nichts  angehen  ließen  und
keine  der  Ceremonien  beobachten  würden.  Sie  hielten
Wort,  und  der  päbstliche  Nuncius  nahm  dies  mit  so  vielem
Aerger  auf,  daß  er  in  die  lateinische  Rede,  welche  er  hielt,
eine  Menge  der  giftigsten  Anspielungen  einfließen  ließ,  die
ziemlich  grob  gewesen  seyn  müssen,  da  selbst  der  nicht  eben
protestantisch  gesinnte  Churfürst  von  Mainz  sich  tadelnd  darüber
  aussprach.

In  der  zweiten  Versammlung  (24.  Juni)  gewannen  die
Protestanten  —  nachdem  der  päbstliche  Gesandte  Campegius
eine  bedeutend  lange  Rede  vom  Verfall  der  Religion  (i.  e.
des  Pabstthums)  gehalten  hatte  und  dann  mit  weitschweisigen
  Worten  auf  den  Türkenkrieg  gekommen  war  —  endlich
Gelegenheit,  ihre  Interessen  zur  Sprache  zu  bringen;  Johanns
  Kanzler,  Pontanus,  hielt  den  Vortrag  auf  bescheidene
und  kräftige  Weise,  und  nach  längeren  Debatten,  ertheilte
der  Kaiser  den  protestantischen  Fürsten  und  Ständen  endlich
die  Vergünstigung,  für  den  folgenden  Tag  ihr  feierliches
Glaubensbekenntniß  öffentlich  vor  der  Reichsversammlung
vorlesen  zu  dürfen.

So  erschien  denn,  nach  längern  Gegenkämpfen,  der
große,  ewig  denkwürdige  Tag  (25.  Juni),  wo  die  neue  ge-