Die  augsburgische  Confession.  169

laͤuterte  Lehre  —  obgleich  verfolgt,  geächtet  und  von  roͤmischen
  Bannstrahlen  angesengt  —  frei  ihre  Stimme  fuͤr  ihr
Recht  und  ihre  Wahrheit  vor  Kaiser  und  Reich  erhob,  wo,
was  gekeimt  und  aufgegangen  in  der  engen  Zelle  des  sinnenden
  Moͤnches  Martin,  als  ein  heiliges  Panner  von  maͤchtigen
Fuͤrsten,  Staͤdten  und  Staͤnden  vor  dem  Richtstuhle  der
Welt  hingepflanzt  und  durchgekaͤmpft  wurde.  Die,  welche
die  Confessionsurkunde  unterschrieben,  waren  folgende:  der  Churfürst
  Johann  von  Sachsen,  Markgraf  Georg  von  Brandenburg,
  die  Herzoge  Ernst  und  Franz  von  Lüneburg,  Landgraf
Philipp  von  Hessen,  Herzog  Johamn  Friedrich  von  Sachsen,
Wolfgang  Fürst  von  Anhalt,  wie  auch  die  beiden  Städte
Nürnberg  und  Reutlingen.  Die  beiden  Kanzler  Johann's,
Pontanus  und  Baier,  legten  sie  in  einer  deutschen  und  einer
lateinischen  Abschrift  vor,  und  der  Kaiser  wollte,  vielleicht
ebenfalls  aus  Eigensinn  gegen  die  Protestanten,  sie  in  lateinischer
  Sprache  vorlesen  lassen.  Churfürst  Johann  aber  bemerkte
  sehr  am  rechten  Orte:  daß  man  sich  auf  deutschem
  Grund  und  Boden  befinde,  und  der  Kaiser  sich  daher
  hoffentlich  auch  den  deutschen  Vortrag  gefallen  lassen
werde.  Diese  gute  Bemerkung  wirkte,  und  der  Kanzler
Baier  las  nunmehr  das  ganze,  aus  acht  und  zwanzig  Artikeln
  bestehende  evangelische  Glaubensbekenntniß,  mit  lauter
und  deutlicher  Stimme  vor.  Obschon  dies  ziemlich  lange
währte  —  er  hatte  gegen  zwei  Stunden  daran  zu  lesen  —
so  herrschte  doch  eine  so  tiefe  Stille  (welche  evangelischer
Seits  die  Andacht,  bei  der  Gegenpartei  aber  die  Neugier
veranlassen  mochte),  daß  man  sogar  unten  im  Hofe  jedes
Wort  verstand.  Der  Kaiser  nahm  hierauf  das  lateinische
Exemplar  eigenhändig  an  sich,  Pontanus  überreichte  es  ihm
mit  den  Worten:  „Allergnäádigster  Kaiser,  dies  ist  ein  solches
  Bekenntniß,  welches  mit  gbttlicher  Hilfe  auch  wider
der  Hoͤllen  Pforten  bestehen  kann.“  Das  deutsche  Exemplar
ward  dem  Churfürsten  von  Mainz,  zur  Aufbewahrung  im
Reichsarchive  übergeben.  Der  ruhige  und  würdevolle  Styl
dieses  Werkes  Melanchthon's  sprach  sogar  viele  Gegner  des
Protestantismus  an,  auch  der  Kaiser  schien  tief  davon  ergriffen