170  Die  augsburgische  Confession.

und  versprach,  dieser  wichtigen  Angelegenheit  nachzudenken
und  seinen  Beschluß  später  zur  allgemeinen  Kenntniß  gelangen
  zu  lassen.  Daß  die  Anhänger  der  schweizerischen  Lehre,
statt  sich  den  Evangelischen  unmittelbar  anzuschließen  und
dadurch  sich  und  diese  zu  verstärken,  ein  besonderes  Glaubenöbekenntniß
  für  sich  einreichten,  war  eine  traurige  Folge  der  durch
Luther's  Unnachgiebigkeit  veranlaßten  Spaltung  und  zerriß
die  schöne  Einheit  und  Gemeinkraft  des  großen  Confessionswerkes!
  —  Weniger,  als  Melanchthon's  treffliches  Werk,
sagte  dem  Kaiser  die,  seinem  Willen  gemäß,  von  seinen  katholischen
  Theologen  abgefaßte  Widerlegungsschrift  zu,  die
er  selbst  so  grausam  zusammenstrich,  daß  sie  von  ihrem  anfänglichen
  ungeheueren  Umfange  —  sie  soll  ursprünglich  auf
280  Blätter  stark  gewesen  seyn  —  bis  auf  die  bescheldene
Stärke  von  zwolf  Bogen  zusammenschrumpfte,  über  welche
kaiserliche  Einnähung  dieser  sogenannten  Confutation  sich
besonders  der  Mitverfasser  derselben,  Dr.  Eck,  tiefbeleidigt
fand.  In  diesem  bedeutend  verjüngten  Umfange  ward  sie
am  5.  August  ebenfalls  in  öffentlicher  Reichsversammlung
verlesen,  doch  mochten  ihre  eigenen  Schbpfer  nicht  viel  Vertrauen
  zu  dieser,  mit  gänzlicher  Umgehung  der  Bibel,  aus
dem  geistlichen  Wust  der  Decretalien  und  Kirchenväter  zusammengesuchten
  Confutation  haben,  wenigstens  versagte
man,  wahrscheinlich  um  eine  kritische  Section  zu  verhindern,
den  protestirenden  Fürsten  die  erbetene  Abschrift  davon,  und
Melanchthon  mußte  daher  aus  dem  Gedächtnisse  eine  Apologie
  der  Confession  verfassen,  die  der  Kaiser  jedoch  unterdrückte,
  dabei  auch  alles  fernere  Disputiren  untersagte  und
die  wunderliche  Forderung  that,  die  evangelische  Partei  solle
mit  der  katholischen  in  Frieden  leben  (dann  hbätte  erst  letztere
  aufhören  müssen,  mit  jener  im  fortwährenden  Kriege  zu
leben).  Dieser  unbestimmte  und  nichts  sagende  Bescheid
führte  zu  neuen  Weitlaufigkeiten,  da  die  Protestanten  es  natärlich
  nicht  dabei  beruhen  lassen  konnten.  Die  Confessionsverhandlungen
  währten  nunmehr  beinahe  schon  drei  Monate,
ohne  daß  eigentlich  etwas  ausgemacht  gewesen  wäre.  Die
Fürsten  wurden  des  langen  und  kostspieligen  Aufenthaltes  in