174  Der  Schmalkaldische  Bund.

sen  Punkt  noch  nicht  ganz  einig  war  —  wenn  unter  kirchlichem
  Vorwande  Feindseligkeiten  gegen  ein  Mitglied  des
Bundes  unternommen  oder  angedroht  werden  sollten,  sich
mit  Rath  und  That  treulich  beistehen  zu  wollen.  Unterzeichnet
  wurde  dieser  Vertrag  von  dem  Churfuͤrsten  von  Sachsen,
dem  Herzog  Ernst  von  Luͤneburg,  dem  Landgrafen  Philipp,
dem  Fuͤrsten  Wolfgang  von  Anhalt,  den  Grafen  Gebhard
und  Albrecht  von  Mansfeld,  und  den  Staͤdten  Magdeburg
und  Bremen.  Die  Namensunterschriften  der  Gesandten
des  Markgrafen  Georg  von  Anspach  und  der  übrigen  evangelischen
  Reichsstädte  mußten  wegbleiben,  weil  sie  keine
Vollmacht  hatten,  sich  zu  unterzeichnen.  Wegen  der  Wahl
Ferdinands  zum  roͤmischen  Könige,  erließen  sie  noch  eine
besondere  Vorstellung  an  den  Kaiser,  worin  sie  diese  Wahl
als  den  Reichsgrundsätzen  zuwider  bezeichneten  und  ihn  davon
  abzustehen  zu  bewegen  suchten.  Doch  blieb  diese  Vorstellung
  ohne  Erfolg,  und  Ferdinand  ward  am  1.  Januar
1531  1531  wirklich  gewählt,  wogegen  Churfürst  Johann  durch
seinen  Sohn  diese  Wahl  für  ungesetzmäßig  erklären  und
feierlich  gegen  dieselbe  protestiren  ließ.  Durch  die,  in  ihrer
Bundesformel  sich  aussprechende  Maßigung  hofften  die
schmalkaldischen  Verbündeten  auch  im  Auslande  ihrer  Sache
Anhänger  zu  erwerben,  daher  sie  ihre  Appellation  gegen  den
Reichsabschied,  wie  auch  eine  Apologie  ihres  Verfahrens  und
überhaupt  eine  getreue  Erzählung  des  ganzen  Verlaufs  der
Sache,  an  alle  auswärtigen  Hoͤfe  sandten.  Von  England  und
Frankreich  gingen  schon  nach  einigen  Monaten  Antworten
ein,  die  sich  zwar  im  Ganzen  für  die  Sache  der  Protestirenden
  erklärten  und  ihre  Theilnahme  an  diesen  Angelegenheiten
  ausdrückten,  übrigens  aber  ahnen  ließen,  daß  ihre
Theilnahme  vor  der  Hand  mehr  in  Worten,  als  in  Thaten
bestehen  werde;  obschon  der  König  von  England  einen  Theologen
  an  Johann  sendete,  welcher  sich  näher  uͤber  den  Stand
der  Dinge  und  die  Richtung  des  ganzen  Protestantismus
erkundigen  und  belehren  follte.  Bei  dem  steigenden  Ernste  der
dußeren  Spaltung  und  der  immer  dichter  sich  zusammenziehenden
  Gefahr,  hielt  man  die  Tendenz  des  ersten  Schmal-