Der  Schmalkaldische  Bund.  175

kaldischen  Bundes  für  zu  unbestimmt  und  zu  locker,  ünd  veranstaltete
  demzufolge  eine  zweite  Zusammenkunft  in  Schmalkalden,
  woselbst  am  27.  Februar  1531  ein  wirkliches  Bündniß
  auf  sechs  Jahre  zu  Stande  kam,  nach  welchem  sie,
wenn  Einer  von  ihnen  oder  ihren  Unterthanen  um  der  Religion
  willen  angefochten  werden  sollte,  sich  gemeinsam  beistehen
  und  Keiner  ohne  der  Andern  Bewilligung  wieder  Frieden
  eingehen  wollte.  Leider  schlossen  sich  der  Markgraf
Georg  und  mehrere  Reichsstädte,  obgleich  sie  der  protestantischen
  Partei  angehoͤrten,  doch  noch  immer  von  diesem
Schmalkaldischen  Bündnisse  aus.  Dennoch  war  durch  diesen
  Bund,  welcher  der  protestantischen  Gemeinde  nunmehr
auch  einen  politischen  innern  Halt  und  eine  dußere  Gesammtheit
  verlieh,  ein  wichtiger  Schritt  gethan  und,  da  dieses
Bündniß  keinesweges  einen  offensiven  Charakter  trug,  sondern
  sich  nur  auf  eine  gemeinsame  Vertheidigung  ihrer  religidsen
  Freiheit  und  politischen  Sicherheit  beschränkte,  so
konnte  es  dem  Kaiser  kein  eigentliches  Aergerniß  geben,  wie
derselbe  dies  auch  in  seiner  Capitulation  erklärt  hatte.  Dennoch
  sah  er  dieses  Zusammenhalten  der  protestantischen  Fürsten
  und  Stände  keinesweges  mit  günstigen  Augen  an,  und
am  übelsten  mochte  er  es  aufnehmen,  daß  man  auch  auswärtige
  Hoͤfe  in  das  protestantische  Interesse  zu  ziehen  suchte.
Noch  näher  und  bestimmter  sprachen  sich  die  Schmalkaldischen
  Verbündeten  durch  ihre  Abgeordneten  auf  einer  neuen
Versammlung  zu  Frankfurt  im  Juni  1531  aus,  wo  man
sich  besonders  darüber  einigte,  daß  man  den  rdmischen  Koͤ-nigstite
  Ferdinands  nicht  anerkennen  wolle.  Auch  wurden
festere  Bestimmungen  über  die  Art  und  Weise  ihrer  Vertheidigung
  im  Falle  eines  zu  erleidenden  Angriffs  getroffen  und
zugleich  über  die  Aufnahme  der  schweizerischen  Glaubensbekenner
  in  das  Bündniß,  verhandelt.

Wie  wenig  auch  Carl  V.  gerade  auf  schonende  Räcksichten
  gegen  die  Protestanten  bedacht  war,  so  sah  er  doch  ein,
daß  er  mit  seiner  Strenge  auf  dem  Reichstage  zu  Augsburg
etwas  zu  hitzig  in  das  Feuer  gegangen  war  und  durch  sein
hartes  Betragen  einen  Anlauf  genommen  hatte,  der  sich