176  Der  Schmalkaldische  Bund.

für  den  Augenblick  nicht  ausführen  ließ  und  ihn  in  Gefahr
brachte,  seiner  Würde  einen  Stoß  zu  versetzen.  Denn  wie
eifrig  er  sich  auch  scheinbar  nur  von  seiner  Ueberzeugung
und  von  seiner  Verehrung  für  die  Rechte  der  Kirche  leiten
ließ,  so  galten  seine  Maßregeln  dennoch,  wie  immer,  selbstsüchtigen
  Plänen.  Er  wünschte  in  Deutschland  einen  innern
Krieg  zu  entflammen,  um  beiden  Theilen  Gelegenheit  zu  geben,
  sich  gegenseitig  zu  schwächen  und  dadurch  ihnen  Allen
zusammen  die  Kraft  zu  einem  Widerstande  gegen  seine  eigenen
despotischen  Absichten,  welche  er  auf  die  politische  Freiheit=Deutschlands
  hegte,  abzusaugen.  Er  unterstäützte  daher  diese
Spaltung,  und  da  er  sah,  daß  die  protestantische  Partei  ihr
Interesse  gleich  anfangs  mit  weit  mehr  Wärme  und  Muth
vertrat,  als  die  katholische,  welche  ohne  gemeinschaftlichen
Trieb,  sich  ziemlich  nachlässig  hingehen  ließ,  so  stellte  er  sich
an  die  Spitze  der  letzteren,  indem  er  glaubte,  ihr  dadurch
einen  Hebel  zu  geben.  Doch  war  er  keinesweges  gemeint,
diese  Angelegenheit,  für  welche  es  ihm  an  religidser  Ueberzeugung
  fehlte,  mit  seinen  eignen  Mitteln  auszufechten.  Er
hoffte  vielmehr,  die  Katholiken  würden  ihren  Glauben  eben
so  kräftig  politisch  geltend  zu  machen  streben,  als  die  Protestanten
  den  ihrigen.  Allein  er  irrte  sich.  Denn  erstlich
fehlte  es  den  Katholiken  —  welche  zum  gröôßten  Theile  große
Beschwerden  gegen  die  Mißbräuche  des  rômischen  Stuhles
hegten  und  offen  aussprachen  —  an  einer  durchgreifenden
Uebereinstimmung,  besonders  aber  an  einer  anfeuernden  Begeisterung
  für  ihre  Kirche;  dann  aber  mochten  sie  hin  und
wieder  auch  die  selbstsüchtigen,  der  gemeinsamen  Freiheit
Deutschland's  gefährlichen  Absichten  des  Kaisers  spüren  und
klug  genug  seyn,  sich  nicht  als  sinnlose  Werkzeuge  derselben
gebrauchen  lassen  zu  wollen.  Es  war  daher  dem  Kaiser
sehr  erwünscht,  daß  die  Churfürsten  von  Mainz  und  der
Pfalz  ihn  um  Erlaubniß  baten,  vermittelnd  zwischen  dem
Reiche  und  den  evangelischen  Fürsten  auszutreten  und  den
Frieden  zu  erhalten  zu  suchen,  und  er  gab  dieser  Bitte  gern
Gehdr.  Die  beiden  Friedensfürsten  fingen  sonach  mit  dem
Churfürsten  von  Sachsen  und  dem  Landgrafen  von  Hessen