Der  Schmalkaldische  Bund.  177

Unterhandlungen  an,  und  in  Folge  dessen  kam  es  im  April
1532,  nachdem  die  Protestanten  sich  bei  weitem  nicht  so  1532
nachgiebig  hatten  finden  lassen,  als  man  geglaubt,  zu  einer
Zusammenkunft  in  Schweinfurt  zwischen  den  Abgeordneten
der  vermittelnden  Fürsten  und,  protestantischer  Seits,  dem
Herzog  Johann  Friedrich  und  andern  evangelischen  Fürsten
und  Ständen.  Hier  gab  es  nun  einen  Hauptanstoß  in  der
Weigerung  der  Evangelischen,  den  Erzherzog  Ferdinand  als
rèmischen  König  anzuerkennen.  Es  kam  hier  so  wenig  zu
einem  Resultate,  daß  man,  um  die  Unterhandlungen  nicht
mit  einem  Male  zu  zerschlagen,  wenigstens  über  eine  zweite
Versammlung  einig  ward,  die  im  Juni  auch  wirklich  gehalten
  ward.  Auch  hier  kam  es  jedoch,  statt  einer  wesentlichen
Einigung,  nur  zu  einem  Waffenstillstande  (wenn  man,  da
noch  kein  Krieg  ausgebrechen,  sich  dieses  Wortes  bedienen
darf),  dem  man  den  schdnen  Namen  des  ersten  Religionsfriedens
  vom  23.  Juli  beilegte,  worin  jedoch  nichts  weiter
ausgemacht  war,  als  daß,  bis  auf  ein  zu  haltendes  Concilium,
  zwischen  Kaiser  und  Ständen-ein  allgemeiner  Friede
beobachtet  werden  und  kein  Theil  den  andern,  unter  kirchlichem
  oder  sonstigem  Vorwande,  befehden  solle.  Die  Hauptsache
  aber,  welche  sich  der  kluge  Kaiser  von  den  treuherzigen
  Protestanten  bedungen  hatte,  war:  daß  Lettere,  so
gut  wie  die  Katholischen,  zur  Hilfe  gegen  die  Türken  beitragen
  mußten.  Eine  üble  Clausel  war  es,  daß  dieser  Vertrag
  sich  nur  auf  die  unmittelbaren  Mitglieder  der  verhandelnden
  protestirenden  Partei  ausdehnte,  mithin  die  schweizerischen
  Glaubensgenossen  wiederum  ausschloß  und  dadurch
es  dem  Kaiser  hätte  möglich  machen  können,  erst  mit  den
Schweizern  allein  fertig  zu  werden  und  dann,  nach  Ablauf
des  Friedens,  wieder  die  Evangelischen  für  sich  vorzunehmen.
Mit  diesem  Vertrage  war  also  für  die  Protestanten  nichts
weiter  gewonnen,  als  ein  vorldufiger  Friede,  der,  unter  den
waltenden  Umständen,  dem  Kaiser  noch  bei  weitem  willkommener
  seyn  mußte,  als  ihnen  selbst.  Dem  Kaiser  dagegen
war,  ausser  vorläufiger  innerer  Ruhe,  deren  er  so  sehr  bedurfte,
  auch  noch  Hilfe  gegen  die  Türken  geworden.  Höch-12
