178  Tod  Johann's  des  Beständigen.

stens  konnten  die  Protestanten  sich  daraus  den  schmeichelhaften
  Schluß  entnehmen,  daß  man  sie  doch  nicht  für  gar
zu  unbedeutend  nehme,  indem  man  sich  vielfache  Mühe  gegeben,
  sie  zu  einem  solchen  Frieden  zu  bringen.  Churfürst
Johann  lag  schwer  erkrankt  danieder  und  hatte  diesen  Vertrag
  daher  durch  seinen  Sohn  Johann  Friedrich  eingehen
lassen.  Am  bittersten  erklärte  sich  der  feurige  Philipp  von
Hessen  gegen  diesen  Frieden,  dessen  Nichtigkeit  er  wohl  einsah;
  er  wäre  darüber  mit  Johann  Friedrich  beinahe  in
Streit  gerathen,  wenn  nicht  sich  die  Räthe  vermittelnd  dazwischen
  geworfen  hätten.  Wie  wenig  sonach  auch  die  Protestanten
  mit  diesem  Nominalfrieden  erlangt  hatten,  so  war
selbst  dieses  Wenige  und  dieser  Schein  von  Vortheil,  der
ihnen  dadurch  geworden,  den  Erzkatholischen  —  wie  z.  B.
dem  Kdnig  Ferdinand,  dem  Herzog  Georg  von  Sachsen,  besonders
  aber  dem  Pabste  —  noch  immer  zu  viel,  und  sie
waren  mit  diesem  Vertrage  wenig  besser  zufrieden,  als  auf
der  andern  Seite  der  Landgraf  Philipp  von  Hessen,  welcher
sich  kaum  des,  freilich  ungegründeten  Gedankens  erwehren
konnte,  Fohann  Friedrich  habe  sich  durch  Eingehung  dieses
Friedens,  dem  Kaiser  noch  besonders  gefällig  bezeigen  und
dabei  einige  Vortheile  für  seine  eigne  Person  erjagen  wollen.

Kurz  nach  Abschluß  dieses  Friedens,  der  nur  einen  Abschnitt,
  nicht  cinen  Abschluß  der  begonnenen  und  noch  zu  erwartenden
  Religionskämpfe  bildete,  und  mitten  in  den  Streitseligkeiten
  über  den  Frieden  selbst,  der  einem  Baume  mit
gemalten  Früchten  glich,  starb  am  16.  August  1532  Churfürst
  Tohann,  auf  dem  Schlosse  Schweiniß  im  66.  Jahre
seines  Alters.  Niemand  von  seinen  Anverwandten  war  bei
ihm,  als  er  verschied;  daher  auch  Luther,  welcher  eben  zu
seinem  Tode  kam,  schmerzlich  ergriffen  ausrief:  „Lieber  Gott,
wie  so  einsam  stirbt  doch  dieser  große  Fürst,  daß  auch  weder
  Sohn,  Vetter,  noch  ein  andrer  Freund  bei  ihm  ist.“
Er  fand  seine  Ruhestätte  in  der  Schloßkirche  zu  Wittenberg,
an  der  Seite  seines  verklärten  Bruders,  Friedrich  des  Weisen.
  —  In  Johann  ging  ein  treues,  redliches  Gemüth  und
der  standhafteste  Tünger  der  neuen  gelduterten  Lehre  zu