Johann  Friedrich  der  Großmuͤthige.  181

unerschuͤtterliche  Liebe  für  die  Reformation  verursachte,  daß
ihm  der  Kaiser  auf  dem  Reichstage  zu  Augsburg  die  Belehnung
  über  seine  Länder  verweigerte  und  ihm  dieselben  nicht
eher  ertheilen  wollte,  bis  er  der  neuen  ketzerischen  Lehre  entsagt
  haben  würde.  Diese  treue  Ausdauer  erwarb  ihm  mit
Recht  den  Namen  des  Standhaften.  Die  rdmische  Partei
hatte  sich,  wie  es  scheint,  früher  nicht  einen  so  starken  und
ausdauernden  Beschützer  der  Reformation  in  ihm  vermuthet,
sondern  vielmehr  geglaubt,  daß  mit  seinem  Bruder  und  Vorgänger
  sich  dieselbe  in  das  Grab  legen  werde,  wie  auch
Luther  erwähnt:  „da  Herzog  Friedrich  von  Sachsen  lebet,
der  thewre  werthe  Fürst  (des  man  nicht  vergessen  soll)  da
trösteten  sich  beide,  geistliche  und  weltliche  Tyrannen  auf
seinen  Tod,  und  sprachen:  es  ist  um  zwei  Augen  zu  thun,
wenn  dieselbigen  zu  sind,  so  liegt  des  Luthers  Ketzerey  auch.“
Hierinnen  hatten  sie  sich  freilich  stark  geirrt,  denn  Johann
bekannte  sich  weit  offener  und  unverhaltener  für  die  Reformation,
  als  Friedrich,  der,  den  Sinn  seiner  Zeit  verstehend,
die  neue  Lehre  nur  zu  dulden,  zu  schützen  suchte,  und  kommenden
  Zeiten  es  überließ,  sie  zu  verfechten.  Luther  pflegte
von  beiden  Brüdern  zu  sagen:  mit  Friedrich  sey  die  Weisheit,
  mit  Johann  aber  die  Redlichkeit  gestorben.  Man
könnte  zur  Unterscheidung,  Friedrich  den  Gärtner  und  Pfleger,
  Johann  den  streitbaren  Wächter  der  Reformation  nennen.
  Mit  halbgezogenem  Schwerte  ging  Johann,  der  freudige
  Glaubensstreiter,  schlafen;  aber  schon  die  nächstkommende
  Zeit  sollte,  über  seinem  Grabe,  die  halbentblöste
Glaubenswasse  aus  der  Scheide  ziehen  und  den  blutigen
Kaufpreis  der  neuen  Geistesfreiheit  hinwerfen.

Der  Sohn  und  Nachfolger  des  Verewigten,  Johann  Friedrich,
  mit  dem  Beinamen:  der  Großmüthige,  war  am  30.
Juni  1503  zu  Torgau  geboren.  Man  könnte  ihn,  nicht  ohne
Grund,  den  Winkelried  der  Protestanten  nennen,  welcher,  der
Erste  im  Glaubenskampfe  vordringend,  auch  das  erste  Opfer
desselben  werden  mußte,  aber,  durch  seinen  eignen  politischen
untergang,  seiner  Sache  und  der  über  seinem  Falle  nachdringenden
  Reformation  den  Sieg  errang.  Ein  sterbender  Bote,