182  Johanu  Friedrich  der  Großmuͤthige.

brachte  er  den  Sieg  daher,  ohne  seinen  Antheil  mehr  daran
zu  finden.  Das  Mißgeschick,  welches  sein  spaͤteres  Leben
bezeichnele,  glaubte  man  schon  in  dem  gelben  Kreuze  prephezeit,
  das  er  an  seinem  Körper  mit  auf  die  Welt  brachte,
und  wirklich  begann  sein  Unstern  frühzeitig  damit,  daß  er
schon  am  zwolften  Tage  seiner  Geburt,  seine  Mutter  durch
den  Tod  verlor.  Er  erhielt  unter  Spalatin's  und  Crosner's
  Anleitung,  eine  sorgfältige  Erziehung,  legte  sich  schon
in  früher  Jugend  mit  Glück  und  Liebe  auf  das  Studium
der  Geschichte  und  dusserte  auch  frühzeitig  schon  viel  Frômmigkeit
  und  einen  entschlossenen  Sinn,  der,  wenn  ihm  noch
bessere  und  weisere  Rathgeber  zur  Seite  gestanden  hätten,
gewiß  die  besten  Früchte  getragen  haben  würde.  Er  hatte
schon  1521  seinen  Oheim,  Friedrich  den  Weisen,  auf  den
Reichstag  nach  Worms  begleitet,  und  folgte  später  seincen
Vater  auf  die  Versammlungen  zu  Speyer  und  Augsburg.
Die  begeisterte  Unerschrockenheit,  mit  welcher  er  hier  das
neue  Glaubensgut  gegen  weltliche  und  geistliche  Uebermacht
vertheidigt  sah,  härtete  auch  seine  Frômmigkeit  bald  zum
wahren  Glaubensmuthe  ab.  Auf  dem  Reichstage  zu  Cöln
erschien  er  im  Namen  seines  Vaters  und  protesticte  daselbst,
wie  wir  schon  gehdrt  haben,  gegen  die  rômische  Königswahl
Ferdinand's,  eine  Handlung,  die  ihm  Carl  V.  wahrscheinlich
nie  vergessen  hat.  Man  will  behaupten,  daß  man  ihm  schon
damals,  als  er  aus  Coln  wieder  hinausgereiset,  Leute  nachgesendet
  habe,  die  ihn  aufsuchen  und  zurückbringen  sollten,
ihn  aber  nicht  mehr  antrafen.  Nach  dem  Tode  seines  Vaters
  folgte  er  demselben  in  der  Chur  Sachsen;  die  übrigen
Lande  aber  regierte  er  gemeinschaftlich  mit  seinem  Halbbruder,
  Johann  Ernst,  bis  zum  Jahre  1542,  wo  er  denselben
mit  der  Pflege  Coburg  und  einer  jährlichen  Summe  von  14,000
Gulden  abfand,  für  welche  letztere  er  ihm  mehrere  Aemter,
Städte  und  Schlösser  verpfändete.  Bald  nach  seinem  Regierungsantritte
  unternahm  er  eine  sehr  zweckmaßige  Verbesserung,
  indem  er  nämlich  die  bisherigen  Einkünfte  einiger
Kloͤster  dazu  verwendete,  die  Besoldung  der  Lehrer  an  der
Universität  Wittenberg  zu  erhöhen  und  ihre  Einkünfte  zu