1541

1533

184  Johann  Friedrich  der  Großmüthige.

Lebzeiten  des  Kaisers,  verwahren  sollte.  Dieser  letztere  Punkt
verursachte  neue  Frrungen,  so  daß  Johann  Friedrich  wieder
auf  seine  vorige  Weigerung,  Ferdinand  anzuerkennen,  zurückkam;
  bis  endlich  am  11.  Mai  1544  auf  dem  Reichstage  zu
Speyer  sich  diese  Mißhelligkeiten  beilegten,  und  der  Churfürst
  zugleich  die  bisher  ihm  verweigerte  Bestätigung  des  mit
dem  Herzoge  Johann  III.  von  Cleve,  dessen  Tochter  er  geehelicht,
  abgeschlossenen  Vertrags  erhielt,  wodurch  Johann
Friedrich  und  seine  Nachkommen,  nach  Abgang  des  Cleve“'-schen
  Mannsstammes,  das  Herzogthum  erblich  an  sich  zu
nehmen  hatten.  Im  Cadan'schen  Vergleiche  erhielt  Johann
Friedrich  auch  die  Zusicherung,  daß  ihm  die,  seinem  Vater
vorenthaltene  Belehnung  des  baldigsten  ertheilt  werden  sollte;
demzufolge  er  sich  im  folgenden  Jahre  nach  Wien  begab
und  dort  vom  Kbnig  Ferdinand,  den  der  Kaiser  ausdrücklich
  hierzu  beauftragt  hatte,  mit  der  Chur  und  den  Ernestinischen
  Landen  belehnt  wurde.  Während  er  nach  Wien  gereist
  war,  hatte  der  Pabst  Paul  III.  den  Cardinal  Vergerius
  als  Gesandten  nach  Deutschland  gesendet,  um  sämmtliche
  evangelische  Fürsten  und  Stände  zu  einem  Concilium
nach  Mantua  einzuladen.  Vergerius  ließ  sich,  da  er  den
Churförsten  zu  Wittenberg  nicht  in  Person  antraf,  mit  Luther
in  eine  Unterredung  ein,  welche  jedoch  nichts  weiter  bezweckte,
  als  daß  Luther  ihm  seine  Meinung  über  die  Unaufrichtigkeit
  des  Pabstes  —  welcher  das  Concilium  keineswegs
so  eifrig  betreibe,  als  er  sich  stelle  —  sagte.  Vergerius
wünschte  nicht,  den  Churfürsten  in  Wittenberg,  wo  er  denselben
  unter  dem  Einfluße  Luthers  wußte,  zu  sprechen,  sondern
  reisete  ihm  weiter  entgegen,  traf  ihn  in  Prag  und  entledigte
  sich  dort  seines  Ausftrags.  Von  mehreren  Seiten  mit
Verdacht  gegen  feindselige  Maßregeln  der  romischen  und
kaiserlichen  Partei  erfüllt,  welche  der  Kaiser  dadurch  bestetigte,
  daß  er  sich  dagegen  zu  vertheidigen  suchte,  fand  sich
Johann  Friedrich  bewogen,  eine  neue  Zusammenkunft  nach
Schmalkalden  anzuberaumen,  zumal  die  Frist  des  dort  geschlossenen
  Bündnisses  bald  zu  Ende  lief  und  die  Herzöge
von  Pommern  dem  Bunde  beizutreten  wünschten.  Auf  dieser