1539

188  Johann  Friedrich  der  Großmüthige.

Brandenburg  als  Vermittler,  und  der  Churfürst  von  Sachsen
  mit  dem  Landgrafen  von  Hessen  als  Oberhäupter  der
Schmalkaldischen  Verbündeten  erschienen.  Es  ward  hier  bei
weitem  mehr  hin  und  wieder  gesprochen,  als  ausgemacht,
und  endlich  kam  man  über  einen  sogenannten  friedlichen
Anstand  auf  funfzehn  Monate  üuberein,  während  dessen  der
Nürnberger  Religionsfriede,  mit  welchem  man  sich  viel  umhertrug,
  in  Kraft  erhalten  werden  sollte.  Zugleich  setzte  man,
ungeschreckt  durch  die  fruchtlosen  früheren  Versuche  dieser
Art,  ein  neues  Religionsgespräch  fest.  Der  friedliche  Anstand
  kam  jedoch  nicht  eigentlich  zu  Stande,  weil  die  Erklärung
  des  Kaisers  nicht  in  der  gesetzten  Zeit  erfolgte;  und
das  Religionsgespräch,  welches,  obschon  erst  im  Januar

1541  1541,  wirklich  zwischen  Melanchthon  und  dem  immer  schlagfertigen

  Eck,  in  Worms  statt  fand,  führte  eben  so  wenig
zu  einem  Ziele,  als  die  früheren  ähnlichen  Verhandlungen.
Dieses  Hinausziehen  eines  Conciliums  und  eines  Resultates
wurde  von  einigen  Händeln  ernsterer  Art  unterbrochen.  Heinrich
  der  Jüngere  von  Braunschweig  hatte  sich  schon  seit
länger  als  ein  erbitterter  Gegner  der  Reformation  gezeigt,
wofür  auch  sein  schneller  Beitritt  zu  dem  heiligen  Bunde
einen  neuen  Beweis  lieferte.  Der  Churfürst  von  Sachsen
und  der  Landgraf  von  Hessen  hatten  dieserhalb  kein  gutes
Blut  zu  ihm,  aber  die  Spannung  artete  in  heftigen  Grimm

1538  aus,  als  dem  Landgrafen  durch  Zufall  Heinrichs  Briefwechsel

  mit  Mainz  überliefert  ward,  woraus  dessen  seindselige
  Absichten  gegen  die  evangelische  Sache  sehr  unverholen
hervorgingen.  Der  hitzige  Landgraf  schlug  über  diese  Entdeckung
  sofort  in  ganz  Deutschland  Lärm.  Heinrich  suchte
theils  sich  zu  rechtfertigen,  theils  aber  auch  Anklagegründe
gegen  den  Churfürsten  von  Sachsen  und  den  Landgrasen  vorzubringen,
  wodurch  endlich  auf  beiden  Seiten  ein  wäthender

Federnkrieg  entstand,  der,  namentlich  von  Braunschweig  aus,

mit  grober  und  unanständiger  Animosität  geführt  wurde.
Die  offenen  Feindseligkeiten,  welche  sich  Heinrich,  gegen  die
Ecrlaubniß  des  Kaisers,  wider  die  dem  schmalkaldischen  Bunde
beigetretenen  Städte  Goslar  und  Braunschweig  erlaubte,