190  Johann  Friebrich  der  Großmuͤthige.

Dieser  Todesfall  kam  dem  Churfuͤrsten  Johann  Friedrich  sehr
gelegen,  denn  in  Naumburg  war  der  Wunsch,  Antheil  an  der
Kirchenverbesserung  zu  nehmen,  schon  seit  laͤngerer  Frist  sehr
lebhaft  gefuͤhlt  worden  und  man  hatte,  um  denselben  zu
verwirklichen,  schon  mehrfache  Schritte  gethan,  aber  immer
hatte  das  Capitel  sie  zu  hintertreiben  gewußt.  Nach  dieses
Administrators  Tode  war  Johann  Friedrich  auf  nichts  eifriger
  bedacht,  als  sofort  einen  evangelischen  Bischof  in  Naumburg
  einzusetzen  und  dadurch  die  dort  so  innig  ersehnte  Reformation
  hinzuverpflanzen.  Aber  das  Domkapftel,  welches
andern  Sinnes  war,  kam  den  Churfürstlichen  Commissarien
zuvor  und  erwählte  den,  der  römischen  Kirche  eifrig  ergebenen
Fulius  Pflug,  Domprobst  von  Zeitz  und  aus  altem  meißnischen
Adel,  zum  Bischof,  eine  Wurde,  welcher  er  durch  die  von
ihm  gemachten  ausgezeichneten  geistlichen,  historischen  und
politischen  Studien  in  Leipzig,  Straßburg  und  Italien,  allerdings
  gewachsen  war.  Dennoch  setzte  sich  Johann  Friedrich
dieser  Wahl  heftig  entgegen,  und  obschon  das  Stift  Naumburg
  zu  beweisen  suchte,  daß  es  vom  Churfürsten  von  Sachsen
  in  keiner  Weise  abhängig  sey,  sondern  unmittelbar  unter
Reichsgerichtsbarkeit  stehe,  so  ließ  der  Churfürst  doch  durch
Erêrterung  der  Universität  Wittenberg  das  Gegentheil  beweisen
  und,  trotz  der  Einwürfe  des  Kaisers,  entsetzte  er  den
Pflug  und  vergab  die  Bischofsstelle  an  den  Magdeburgischen
Superintendenten  Nicolaus  Amsdorf,  welcher  sie  auch  bis
zum  Sturze  des  Churfürsten  behauptete,  nach  welchem  Ereignisse
  aber  der  von  Kaiser,  Kirche  und  Reich  vertretene
Pflug  in  seine  bestrittenen  Rechte  wieder  eintrat.

Auch  mit  dem  Herzoge  Moritz  von  Sachsen  gerieth  Johann
  Friedrich  schon  damals  in  einen  vorübergehenden  Streit,
der  sich  jedoch  ziemlich  hartnäckig  anließ.  Moritz's  Vater,
Herzog  Heinrich  —  der  Bruder  des  streng  katholischen  Georgs
  —  war  noch  bei  des  Letztern  Lebzeiten  dem  schmalkaldischen
  Bunde  beigetreten,  und  hatte  sich  dabei  verpflichtet,
seinen  Sohn  Moritz  protestantisch  erziehen  und  später  dem
Bunde  beitreten  zu  lassen.  Als,  wenige  Monate  nach  seinem

1541  Bruder  Georg,  auch  Herzog  Heinrich  im  August  1541  starb,