Johann  Friedrich  der  Groß  muͤthige.  191

folgte  ihm  sein  Sohn  Moritz  in  der  meißnischen  Herzogswuͤrde.
Obschon  dieser  Protestant  war,  so  hielten  ihn  doch  seine
hochfliegenden  Plaͤne  ab,  dem  schmalkaldischen  Bunde  beizutreten,
  weil  er  es  dadurch  mit  dem  Kaiser  verdorben  haben
wuͤrde,  auf  welchen  er  vielleicht  schon  damals  Absichten  und
Hoffnungen  setzte.  Vielmehr  brachen,  einige  Monate  nach
seines  Vaters  Tode,  zwischen  ihm  und  Johann  Friedrich,
Mißhelligkeiten  aus.  Unerwiesene  Ueberlieferungen  sagen,
der  Streit  sey  über  dem  Spiele  entstanden,  welchem  Moritz
so  leidenschaftlich  ergeben  gewesen,  daß  er  einmal  die  Stadt
Wurzen  darauf  setzen  wollte,  und  er  habe  den  vom  Churfürsten
  deshalb  erhaltenen  Verweis  so  übel  genommen,  daß
er  sich  durch  offenen  Krieg  zu  rächen  gesucht.  Aber  die  eigentliche
  Ursache  war,  daß  der  Churfürst  Johann  Friedrich
der  Meißnischen  Stiftsstadt  Wurzen,  welche,  so  wie  das
ganze  Bisthum  Meißen,  unter  dem  gemeinsamen  Schutze
beider  Linien  stand,  eigenmächtig  und  ohne  Moritz's  Einwilligung
  abzuwarten,  die  damals  ausgeschriebene  Türkenhilfe
auferlegte.  Als  der  Bischof  von  Meißen  sich  weigerte,  nahm
der  Churfürst  die  Stadt  mit  400  Mann  ein.  Moritz  aber
raffte  in  der  Eile  ein  Heer  auf  und  rückte  auf  seinen  Vetter
los,  so  daß  es  schon  nahe  am  Treffen  war,  als  noch  zu
rechter  Zeit  durch  Moritz's  Schwiegervater,  den  Landgraf
Philipp  von  Hessen,  eine  gütliche  Vermittelung  (10.  April
1542)  zu  Grimma  getroffen  wurde,  so  daß  diese  Feindseligkeiten
  diesmal  ohne  Schwertstreich  sich  beilegten.  Da  dieser
Vertrag  eben  am  Ostermontage  zu  Stande  kam,  wo  der
Krieg  die  Kämpfer  um  die  Osterfladen  gebracht  haben  würde,
so  ward  derselbe  der  Fladenkrieg  geheißen.  Johann  Friedrich
hatte  indessen  durch  diesen  Vorfall  wenigstens  merken  konnen,
  was  sich  von  dem  jungen  Herzog  Moritz  erworten
ließe  und  wie  man  gegen  denselben  seine  Maßregeln  zu  nehmen
  hätte.  Ja,  obgleich  scheinbar  der  Kaiser  Carl  und  der
roͤmische  König  Ferdinand  in  ziemlich  gutem  Vernehmen  mit
dem  Churfürsten  standen,  ihm  auch  —  namentlich  durch  Bestätigung
  des  Cleveschen  Ehevertrages  und  durch  verabredeteverwandschaftliche
  Bänder  —  sich  gefällig  erwiesen,  so

1542