Johann  Friedrich  der  Großmuͤthige.  193

staates  mehr,  als  für  die  Sache  der  Reformation,  obschon
man  selbst  in  diesem  Mangel  an  Thätigkeit  und  Umsicht  keinen
  Einwurf  gegen  seinen  guten  Willen  und  seine  Redlichkeit
  suchen  darf,  welche  er  nur  zu  bald  mit  den  schwersten
Opfern  bekennen  sollte.  Er  schien  das  Unwetter,  welches  sich
schon  so  lebhaft  vorbereitete,  beinahe  gar  nicht  zu  ahnen,  und
begegnete  ihm  auch  nicht  eher,  bis  es  schon  im  vollsten  Ausbruche
  war.  Hochstens  ließ  er  von  den  Kanzeln  das  Volk
zum  Gebet  und  zur  Buße  vermahnen,  um  die  drohenden
Kriegswetter  abzuwenden.

Am  18.  Sepkember  1544  schloß  Carl  V.  zu  Crespy
Frieden  mit  Frankreich  und  bekam  dadurch  wieder  die  Hände
frei,  die  er  auch  sofort  gegen  die  Protestanten  zu  gebrauchen
  Willens  war.  Er  arbeitete  jetzt  mit  Eifer  an  der  Verwirklichung
  des  schon  so  oft  angesetzten  und  immer  nicht  eigentlich
  zu  Stande  gekommenen  Concils  —  dessen  immerwährende
  Verlegung  Luther  mit  den  beißenden  Witzworten
treffend  genug  bezeichnete:  „der  Pabst  schleppe  sich  mit  dem
Concilium,  wohin  Niemand  kommen  wolle,  wie  die  Katze
mit  den  Jungen,  und  koͤnne  keinen  Ort  finden,  wo  es  zu
halten  sey?“  Aber  der  Churfürst  weigerte  sich  standhaft,  ein
Concilium  zu  beschicken,  welches  der  Pabst  berufe,  weil  in
dieser  Berufung  auch  schon  der  ganze  Charakter  des  Concils
ausgeprägt  lag.  Eben  so  bestimmt  verweigerte  er  des  Kaisecrs
Begehren,  den  Julius  Pflug  an  die  Stelle  des  Amsdorf  in
das  Bisthum  Naumburg  einzusetzen.  Dieser  vielleicht  dem
Kaiser  erwünschte  Widerstand  bestimmte  ihn,  seine  Maßregeln
  gegen  die  Protestanten  nunmehr  unverholener  und
ernsthafter  zu  betreiben.  Er  warb  in  den  Niederlanden,  in
Spanien  und  Italien  Leute  und  ließ  sich  (26.  Juni  1546)
mit  dem  Pabste  in  ein  Bündniß  ein,  kraft  dessen  ihm  dieser
  Soldaten  und  Geld  zum  Kriege  gegen  die  Protestanten
herzugeben  sich  verpflichtete.  So  bereitete  sich  der  so  oft  unterdrückte,
  aber  unausbleibliche  Glaubenskrieg  endlich  ernsthaft
  vor,  Luther  hatte  ihn  geahnet,  aber  stets  geförchtet.
Obgleich  unerschrocken,  so  weit  es  seine  eigne  Persen  anlangte

  war  doch  zu  viel  moͤnchische  Schuͤchternheit  ihm  eizwei-
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