Der  Schmalkaldische  Krieg.  195

da  von  tiefem  Verstande,  von  freier  heiterer  Ansicht  des  Heiligen
  wie  des  Weltlichen,  der  trotz  seiner  Heftigkeit,  eine
gluͤckliche  Mitte  zwischen  uͤberlegender  Kaͤlte  und  schwaͤrmescher
  Hitze  beobachtete,  der,  —  furchtlos  fuͤr  sich  selbst,  —  sorgend
und  behutsam  fuͤr  die  sich  zu  ihm  bekennende  Partei,  wahre
Liebe,  Uneigennuͤtzigkeit  und  Selbstverlaͤugnung  mit  reinem
Gottessinne  einte.  Er  war  der  Mann  der  Kraft,  der  Treue
und  der  Wahrheit  seines  Jahrhunderts  und  sein  Geist  entflammte
  noch  spaͤte  kommende  Zeiten.  Der  Churfuͤrst,  den  der
Tod  seines  Lehrers  und  Freundes  mit  tiefer  Wehmuth  ersuͤllte,
  ließ  den  Entseelten  von  Eisleben,  wo  derselbe  zu
leuchten  angefangen,  abholen  und  in  der  Schloßkirche  zu
Wittenberg  beisetzen.  Sein  fürstliches  Wort,  welches  er
schon  fruͤher  einmal  dem  kranken  Luther  gab:  daß  dessen
Weib  sein  Weib,  und  dessen  Kinder  seine  Kinder  werden
sollten,  suchte  er  redlich  zu  halten  und  ließ  den  Vormuͤndern
der  Lutherschen  Kinder  eine  für  die  damalige  Zeit  nicht  unbedeutende
  Summe  auszahlen.

Am  5.  Januar  1546  wurde  ein  Reichstag  zu  Regensburg
  erdffnet,  auf  welchem  die  schlimmen  Absichten  des  Kaisers
  und  der  katholischen  Partei  immer  deutlicher  an's  Licht
traten.  Die  Spannung  zwischen  beiden  Theilen  hatte  im
kurzen  unendlich  sich  erweitert.  Man  wollte  von  katholischer
Seite  die  Entscheidung  der  kirchlichen  Zwistigkeiten  einzig  und
allein  einem  zu  veranstaltenden  neuen  Concilium  anheimstellen
  und  den  Protestanten  zumuthen,  sich  den  Aussprüchen
desselben,  welche  natürlich  unter  dem  unmittelbarsten  Einfluße
des  Pabstes  gestanden  haben  würden,  unbedingt  zu  unterwerfen.
  Darauf  konnten  sich  die  Protestanten  (der  Churfürft
von  Sachsen  und  der  Landgraf  von  Hessen  waren,  obschon
es  der  Kaiser  ausdrücklich  verlangte,  nicht  in  Person,  sondern
  durch  Abgeordnete  auf  diesem  Reichstage  erschienen)
freilich  nicht  einlassen,  welche  vielmehr  auf  billigere  und
freiere  Bedingungen  und  auf  ein  Nationalconcil  bestanden.
Da  der  Kaiser  so  unversteckt  seine  kriegerischen  Werbungen
betrieb,  sich  mit  den  italienischen  Fürsten,  besonders  aber
insgeheim  mit  dem  Herzog  Moritz  verband,  von  dessen  Ge-13

