Der  Schmalkaldische  Krieg.  197

fürsten  von  Sachsen  und  den  Landgrafen  von  Hessen  ausgesprochen,
  ihre  Unterthanen  der  Treue  und  des  Gehorsams
gegen  sie  entbunden  und  Alle  mit  derselben  Strafe  bedroht,
die  sich  als  Verbündete  den  Geachteten  anschlößen  oder  denselben
  Schut  verliehen.  Man  machte  ihnen  zum  Vorwurf,
daß  sie,  besonders  durch  die  (längst  verjährten)  Packischen
Händel  und  durch  die  Braunschweigischen  Invasionen  (welche
  der  Kaiser,  als  Segquester,  selbst  gutgcheißen  hatte)  den
Landfrieden  verletzt,  geistliche  Stifter  und  weltliche  Güter
eingezogen,  der  Rechtspflege  des  Fiscus  sich  entgegengestellt
und  nicht  nur  unter  sich,  sondern  auch  mit  auswärtigen
Mächten  (weil  sie  denselben  ihre  Protestation  mitgetheilt)
gefährliche  Einverständnisse  angefangen  hätten.  Die  Verbündeten
  schickten  dieser  Achtserklärung  —  welche  der  Kaiser,
ohne  erst  die  Zustimmung  der  Churfürsten  abzuwarten,  über
sie  ausgesprochen  —  am  11.  August  eine  Verwahrungsschrift
  entgegen,  und  da  der  Kaiser  selbige  nicht  annahm,
ließen  sie  am  2.  September  einen  Fehdebrief  an  ihn  folgen,
  der  —  weil  die  Schmalkaldischen,  wenn  sie  ihn  an
don  Kaiser  gerichtet  hätten,  als  Rebellen  erschienen  wären  —
die  kurze  Titulatur  enthielt:  „Karl'n,  der  sich  den  fünften
rdmischen  Kaiser  nennet.“  So  kurzen  deutschen  Titel  hatte
Karl  V.  allerdings  unter  seinen  Spaniern  zu  lieben  verlernt.
  Leider  ließ  die  gänzlich  verschiedene  Individualität
der  beiden  Bundeshäupter  gleich  die  erste  günstige  Gelegene
heit,  den  Kaiser  noch  in  Regensburg  abzuschneiden,  unbenutzt
entfliehn,  wie  denn  überhaupt  unzweckmäßiges  Zogern  und
Unentschlossenheit,  oder  unübereinstimmende  Meinungen  der
schmalkaldischen  Häupter,  diesem  Feldzuge  verderblich  wurden.
  Man  ließ  dem  Kaiser,  der  sich  unangefochten  nach
Ingolstadt  gezogen,  Zeit  und  Ruhe,  hier  die  zu  ihm  stoßenden
  Hilfsvolker  abzuwarten,  die  man  einzeln  leicht  abgewehrt
  hätte,  während  sie  nunmehr  in  ihrer  Vereinigung  eine
furchtbare  Kriegsmasse  bildeten.  Die  Italiener,  mit  welchen
Karl  sich  ebenfalls  durch  den  Pabst  verstärken  ließ,  mochten
zum  Theile  wohl  von  einer  rohen  fanatischen  Wuth  gegen
die  Ketzer,  mit  welchen  sie  kämpfen  sollten,  beseelt  seyn,  selbst