198  Der  Schmalkkaldische  Krieg.

wenn  auch  die  Ueberlieferung  nicht  zu  erweisen  wäre,  daß
Farnese,  welcher  die  päbstlichen  Hilfötruppen  aus  Italien
heraus  dem  Kaiser  zufährte,  bei  seinem  Aufbruche  geprahlt
habe:  er  wolle  in  Deutschland  ein  solches  Blutbad  veranstalten,
  daß  sogar  sein  Pferd  im  Blute  der  Lutheraner  sollte
schwimmen  können.  Sobald  Karl  V.  so  unerwartet  glücklich
  seine  Verstärkungen  an  sich  gezogen  hatte,  blieb  er  nicht
länger  ruhig,  drängte  die  Verbündeten  überall,  wo  sie  sich
ihm  entgegenstellten,  zurück  und  eroberte  mehrere  Städte.
Zu  spät  sahen  die  Verbündeten  die  traurige  Frucht  ihres
Zoͤgerns  und  Zeitverlierens  ein  und  bereuten  es  bitter,  daß
sie  nicht  schon  bei  Ingolstadt  den  Kaiser  angegriffen,  ehe
derselbe  noch  so  großen  Zufluß  an  Hilfsvolkern  erhalten.
Dennoch  hatten  diese  Erfahrungen  sie  nicht  hinlänglich  gewitzigt,
  denn  bei  wiederkommenden  Gelegenheiten,  wo  durch
einen  schnellen  Entschluß  ein  Vortheil  zu  erringen  und  einem
  Verluste  vorzubeugen  gewesen  wäre,  verloren  sie,  wie
sie  früher  dies  gethan,  die  Zeit  in  Zaudern  und  Unentschlossenheit.


Seinem  mit  Herzog  Morißz  bestehenden  geheimen  Einverständnisse
  gemäß,  hatte  der  Kaiser  den  Letztern  mit  der
Vollziehung  der  Acht  an  dem  Churfürsten  Johann  Friedrich
beauftragt.  Um  nicht  der  böffentlichen  Stimme  —  welche
sich  ohnedies  schon  laut  tadelnd  gegen  ihn  aussprach,  weil
er,  statt  der  Sache  seines  Glaubens  beizutreten,  dieselbe  vielmehr
  bekämpfe  und  unterdrücke  —  zu  viel  gerechten  Stoff
zu  geben,  weigerte  sich  anfangs  Moritz  scheinbar,  sich  dieser
Achtsvollstreckung  an  seinem  leiblichen  Verwandten  zu  unterziehen
  und  ließ  sich  vom  Kaiser  einen  drohenden  Befehl
geben,  dieses  Amt  zu  unternehmen  oder  im  Unterlassungsfalle
  die  Acht  seines  Vetters  zu  theilen.  Doch  war  es  nicht
schwer  zu  begreifen,  daß  Kaiser  Carl  und  Herzog  Moritz
hiermit  nur  eine  Komddie  spielten,  die  ihnen  obendrein  nur
Wenige  glaubten.  Moritz  säumte  nicht,  diesen  kaiserlichen
Drohbrief  bekannt  zu  machen,  schrieb  auch  an  Johann  Friedrich
  dieserhalb,  entschuldigte  die  gegen  ihn  zu  unternehmenden
  feindseligen  Schritte  mit  der  harten  Nothwendigkeit  und